Stunde der Wahrheit

Die Wahlen werden nicht in New York gewonnen, sondern zwischen Flensburg und Freiburg. Am Wochenende wird es sich zeigen, ob Angela Merkel nicht nur für das TIME-Magazin Person of the Year ist sondern auch für die Delegierten des CDU-Parteitags in Karlsruhe. Vermutlich wird Angela Merkel dort noch älter aussehen als auf dem Titelbild des Time-Magazin, das sie nicht als strahlende Siegerin zeigt, sondern als müde, abgearbeitete Frau zeigt.

 

Ein Ölgemälde ganz ohne Photoshop-Tricks. Im Vorfeld des Parteitags versucht die Führungsspitze der CDU das Verhältnis von Kanzlerin und Parteibasis zu kitten mit einem fein austarierten Leitantrag zur Flüchtlingskrise. Da ist nicht von „Obergrenzen“ die Rede, sondern von „Vermeidung von Überforderung“ und von „gesellschaftlicher Akzeptanz“. Klar, gesellschaftliche Akzeptanz ist eine nette Umschreibung für Wählerstimmen und um die geht es schließlich und am Ende.

 

Das Time-Magazin kürt allerdings nicht die beliebtesten Menschen auf der Welt mit den besten Umfragewerten sondern die Einflussreichsten. Und bezeichnet Merkel selbst als „Flüchtling aus einer Zeit und einer Welt, in der ihre heutige Macht unvorstellbar gewesen wäre.“ Nicht aus dieser Zeit, aber aus dieser Welt kommen indes die harschesten Kritiken an der Kanzlerin – gerade wegen ihrer Flüchtlingspolitik.

 

Übrigens: die beiden Nächstplatzierten im Time-Ranking polarisieren wesentlich stärker als Angela Merkel: auf zwei ist der Anführer der IS-Miliz Abu Bakr Al-Baghdadi und auf drei Donald Trump, der mit anti-muslimischen Tönen auf sich aufmerksam macht.

 

Angela Merkel kann man zu Gute halten, dass sie als Kanzlerin nicht permanent um Wählerstimmen buhlt sondern Rückgrat zeigt – wenn’s sein muss auch der Parteibasis gegenüber.

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