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Städte für Menschen. Mahler meint am 5.4.2018

Die Schwaben nennen ihr liebstes Stück „heilix Blechle“. Kein Wunder – lebt doch fast ganz Württemberg von der Autoindustrie.
Ich selbst habe den 18. Geburtstag herbeigesehnt – nicht wegen Volljährigkeit, die gabs damals erst mit 21 – sondern wegen der Pappe, die einen Jungen erst zum Mann gemacht hat.
40 Jahre Liebe zum Automobil mussten vergehen, bis ich den Wahnsinn des automobilen Wahns nicht nur erkannt, sondern auch bekämpft habe.
Heute dienen die deutschen Städte nicht mehr dem Menschen, sondern dem Auto.
Grob überschlagen: 40% Automobilverkehr, 20% Öffentlicher Personennahverkehr, 40% selbst erzeugte Bewegung – mit Rad oder zu Fuß.
Warne Großstädte früher so angelegt, dass man zu Fuß ohne nennenswerte Hindernisse von einem Ende zum anderen gelangen konnte, ist das heute unmöglich geworden. Parkplätze allenthalben, Staus auf den Hauptverkehrsachsen.
Soll ein Parkplatz einem Radwegausbau geopfert werden, laufen die Kommunalpolitiker und die Gewerbetreibenden Sturm dagegen.
 
Wir werden diesem Problem nicht mit Dieselfahrverboten beikommen. Sondern mit Umdenken. Das gilt nicht nur für den Verkehr sondern auch für die Digitalisierung, die Beschleunigung des Alltags, des Freizeitverhaltens. Der ungebremste technische Fortschritt bringt uns um. Der Körper erliegt dem Feinstaub, die Atmosphäre den Treibhausgasen, die Seele der Reizüberflutung. Ist das Fortschritt? Ich sage nein und steige in die Bahn. Mit einem guten Buch aus Papier in der Hand. Oder einer Zufallsbekanntschaft auf dem Sitz gegenüber. Das Smartphone ist leise gestellt. Wenn ich nicht gleich das Rad nehme. Parkplatzprobleme waren gestern.
 
 
 

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