Sozialtourismus wurde doch schon vor Jahren zum Unwort. Noch besser: wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Okay, er hat sich entschuldigt. Aber der CDU-Chef Friedrich Merz ist ein absoluter Polit-Profi und weiß, was er sagt. Und dass seine Worte, nicht am Stammtisch, sondern am Montagabend bei „Bild Live“ geäußert, trotz Entschuldigung natürlich hängen bleiben. Er hat Geflüchteten aus der Ukraine „Sozialtourismus“ unterstellt. Sie würden teilweise hin- und herreisen und unsere Leistungen in Anspruch nehmen. Mich macht dieser Vorwurf sprachlos. Selbst wenn es in Einzelfällen so sein sollte, ist es ungeheuerlich, Menschen in dieser furchtbaren Situation, die sie sich wahrlich nicht ausgesucht haben, auf diese Weise zu diskreditieren. Ich würde sogar sagen, dass es in Ordnung und verständlich ist, dass man nach Monaten in der Fremde, wenn es die Situation erlaubt, zuhause nach dem Rechten schaut. Familienmitglieder und Freunde trifft, die nicht fliehen konnten oder wollten. Doch der Krieg ist nicht vorbei und die Situation in großen Teilen der Ukraine ist unsicher, immer wieder auch gefährlich. Also kann es richtig sein, nach einem riskanten Besuch dort, wieder nach Deutschland zurückzukommen. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind übrigens auch ganz und gar in ihr Heimatland zurückgekehrt und noch viel mehr würden das so gerne tun. Missbrauch und Abzocke gab es immer und wird es immer geben, gerade wenn man Menschen eigentlich helfen will. Man denke nur an die Corona-Schnelltestcenter, die Beschaffung der Masken oder so einen Klassiker wie Steuerhinterziehung. Und ja, auch Flüchtlinge aus anderen Ländern und Leistungsempfänger hier werden nicht immer wirklich berechtigt sein. Das gehört leider dazu. Dies nun aber gerade den kriegsgebeutelten Ukrainerinnen und Ukrainern nach 7 Monaten brutalem Krieg vorzuwerfen, ist echt infam.

Sozialtourismus wurde doch schon vor Jahren zum Unwort. Noch besser: wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Sozialtourismus wurde doch schon vor Jahren zum Unwort. Noch besser: wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. bewerten:
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