Solidarität im Kleinen.

Eigentlich haben uns unsere Freunde drauf gebracht, als wir neulich mit gebührendem Ab-stand im Garten zusammensaßen und Grillwürstchen aßen. Kommt Eure Putzfrau noch? Nein, die ist seit einigen Wochen nicht mehr bei uns gewesen, wegen Angst vor Ansteckung. Aber wir haben ihnen trotzdem wenigstens einen Teil ihres Wochenlohns überwiesen. Sie brauchen es und wir können es erübrigen. Unsere Freunde sind Unternehmer, betreiben einen großen Laden in der Innenstadt. Auch sie kämpfen gerade, um ihr Geschäft am Leben zu erhalten. Trotzdem raffen sie nicht alles zusammen, was sie kriegen können, sondern geben denen ab, die unverschuldet ihre Dienstleistung gerade nicht erbringen können.

Ihr Beispiel hat uns sehr beeindruckt. Seit einigen Jahren beschäftigen wir Menschen, die für uns das Haus sauber machen. Als wir damit anfingen, waren wir beide voll im Job. Eigentlich könnten wir jetzt im Ruhestand auch selbst putzen. Wir tun es nicht, weil unsere Putzleute jeden Cent brauchen. Vorgestern waren sie nach Wochen des Ausfalls wieder bei uns. Und konnten es nicht fassen, dass wir ihnen den Lohn fortgezahlt haben – wenigstens den Teil des Kurzarbeitergeldes. Es ist die Solidarität in den kleinen Dingen, die wir jetzt üben können. Und da gibt es viele Möglichkeiten. Die Obdachlosenzeitung kaufen, in die Stadt gehen, trotz Mas-kenpflicht in die Geschäfte gehen, auch wenn uns gerade wirklich nicht nach Einkaufen ist. Essen im Restaurant abholen – es gibt viele Möglichkeiten, die zu unterstützen, die wahrlich schlechter dran sind als wir.

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