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Sieben Wochen ohne – Grindel und die Sache mit der Uhr. Mahler meint am 3. April 2019

160203_Mahlermeint_bannerDas Ehrenamt ist in Deutschland nicht mehr wegzudenken. In Kirchen, in der Jugendarbeit, in Umweltverbänden, im Sport. Deshalb erscheint es nur folgerichtig, wenn auch der höchste Posten im Deutschen Fußballbund, mit 7 Millionen Mitgliedern der größte Sportverein der Welt, von einem Ehrenamtler bekleidet wird. Allerdings wird es immer schwieriger, den hochprofessionalisierten Spitzenfußball, in dem Milliarden bewegt werden und es einen internationalen Söldner-Markt gibt und den grundsoliden Amateur-Vereinsfußball mit seiner unschätzbaren Jugendarbeit unter einen Hut zu bekommen. Seit gestern ist ein weiterer Spitzenfunktionär des Deutschen Fußballbundes Geschichte. DFB Präsident Reinhard Grindel trat zurück – wegen der Annahme einer Luxus-Uhr. Man spricht von einem Wert von 6.000 Euro. Aber das ist 1. das kleinstmögliche Geständnis und 2. noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Der Stall internationaler Fußball gehört gründlich ausgemistet – wenn es dafür nicht längst zu spät ist. Stimmenkauf bei der Vergabe von Europa- und Weltmeisterschaften gehört genauso zum Geschäft wie Korruption und Schmiergeld. Was der Fall Blatter auf FIFA-Ebene jüngst gezeigt hat. Grindel hat also von Giorgi Surkis, dem Chef von Dynamo Kiew, eine Uhr zum Geburtstag geschenkt bekommen. Das war 2017. Inzwischen sind weitere 78.000 Euro zusätzlich als sogenannte Nebeneinnahmen aufgetaucht. 7.200 erhielt Grindel, wie gesagt im Ehrenamt, als Aufwandsentschädigung, weitere 7.200 als Verdienstausfall. Im Monat, wohlgemerkt. Kleine Petitesse am Rande: Grindel sitzt weiterhin mit Surkis im Exekutivkomitee der UEFA. Surkis’ Club Dynamo Kiew wurde 1995 für ein Jahr gesperrt, weil Surkis versucht haben soll, den Europapokal-Schiedsrichter Lopez Nieto mit Pelzmänteln zu bestechen. Grindels Rücktritt im DFB bedeutet nicht automatisch, dass er aus der Ethik-Kommission der UEFA rausfliegt. Dieser Job hängt an der Person, nicht am Amt.  Dort bleiben die Verbrecher unter sich – Jahresbezüge: eine halbe Million.

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