Sich selbst rausgeschossen

Reisebüros, die derzeit eine Schnäppchenangebot für einen Last Minute Urlaub an der türkischen Mittelmeerküste ins Schaufenster hängen brauchen den Laden gar nicht erst aufzumachen. Die Saison 2016 ist für die Türkei nach dem neuerlichen Anschlag in Istanbul weitgehend gelaufen.

 

Und verwundert fragt man sich wie es möglich ist, dass ein Land sich in wenigen Jahren selbst aus dem Wettbewerb schießen kann. Ein vor Wut schäumender Politiker allein kann das doch nicht schaffen? Kann er doch. Die Türkei, vor wenigen Jahren noch der aufstrebende demokratische Vorzeigestaat mit enormem Wirtschaftswachstum steht statt an der Schwelle Europas heute vor dem Ruin.

 

Der machtverliebte Präsident Erdogan verliert sich immer mehr in sinnlosen Scharmützeln – innen und außenpolitisch. Mit dem Westen ist er beleidigt, deshalb wendet er sich Russland und Israel zu. Den IS hat er lange gewähren lassen, weil er nichts so sehr wollte wie den Sturz seines syrischen Zwillings im Geiste Assad. So konnte sich der IS in der Türkei einnisten und einen neuen Kriegsschauplatz im Land eröffnen.

 

Innenpoltisch geht er gegen die Opposition und die Kurden mit stalinistisch anmutenden Säuberungsaktionen vor. Mit Deutschland, einem seiner wichtigsten Partner, streitet er sich um Begriffe wie Genozid oder Satire a la Böhmermann. Er benimmt sich wie ein beleidigter Teenager und nicht wie ein souveräner Staatenlenker. Und jetzt will er auch noch das Präsidialsystem ändern, um noch mehr Macht in der Türkei zu erlangen.

 

Das ist angesichts der Probleme, mit denen die Türkei derzeit konfrontiert ist, geradezu lächerlich. Die Leidtragenden sind die Opfer von Istanbul, ist die Wirtschaft, sind die Hoteliers und Gastwirte und die Verkäufer in den leergefegten Bazaren. Zur Frage „Wer stoppt den IS? kommt die drängende Frage hinzu: wer stoppt diesen größenwahnsinnigen Brandstifter?

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