Seid endlich still!

Mahler meint am 20.08.15.
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Freital liegt in Sachsen. Irgendwo westlich von Dresden. Und Freital hat sich einen Namen gemacht. In kaum einem anderen Ort sind die Proteste gegen Flüchtlinge lauter als in diesem beschaulichen Städtchen.
Die Freitaler sollten sich einmal daran erinnern, wie es bei Ihnen ausgesehen hat im Jahr 1989. Die Stadt war zum Davonlaufen. Wenn ich mir die Bilder von damals ansehe, dann habe ich noch den Geruch auf der Zunge, den von Damals. Zweitakter und Braunkohle.
Viele sind davongelaufen. Sie sind geflüchtet, unter Einsatz ihres Lebens. In den Westen oder nach Prag, in die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland. Freiheit wollten sie, Reisefreiheit und – ja – auch Wohlstand.
Sie sind gekommen in die Städte im Westen. Sie haben Begrüßungsgeld bekommen. Sicher waren nicht alle nur hocherfreut über die Flüchtlinge aus dem Osten. Aber ich habe niemanden so etwas in die Kamera sagen hören wie das, was Freitaler Bürger heute absondern: Pack und Freital ist kein Ort zum Flüchten.
In Bagdad und Damaskus sieht es wesentlich schlimmer aus als in Freital 1989. Und zudem herrscht dort Krieg. Überlegt mal, liebe Freitaler, wie es gewesen wäre, hätte man Euch so behandelt wie ihr jetzt jene behandelt, die nicht mehr wollen als eine kleine Chance, ihrem beschissenen Elend zu entkommen. Und wenn ihr euch schon nicht schämt, dann tu ich es jetzt mal für Euch. Man nennt das Fremdschämen. Ach so, und noch e was: Seid endlich still.
 
 

Seid endlich still!
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