Schrei nach Freiheit. Mahler meint am 11.10.2018

160203_Mahlermeint_bannerIch hab ihn mir angeschaut, den Kinofilm Ballon. Mit Frau und Enkel, 15.  Noah ist 2013 geboren, heute 15. Von DDR und alledem hat er nichts mitbekommen. Wie auch? Und er saß da – beeindruckt vom Leben aus einer anderen Welt und Zeit. Nicht nur die Autos: „Opa, was ist das denn?“ sondern von der beklemmenden Atmosphäre von Denunziantentum und Bespitzelung. Zwei Familien planen die Flucht aus der DDR – im Fesselballon. Im zweiten Anlauf gelingt es schließlich, den Westen zu erreichen. Äußerst knapp und ungeheuer spannend inszeniert – nach einer wahren Geschichte. Als die beiden Familienväter schließlich vor zwei Beamten stehen und fragen: „Ist das hier der Westen?“ antworten diese „Nein, das ist Oberfranken“. Wir diskutieren noch lange in der Kneipe über den Film. Der Jugendliche, der seine Freundin zurücklässt. Die Mütter, die ihre vier Kinder, zwei davon noch sehr klein, einer tödlichen Gefahr aussetzen. Die Kinder, denen bewusst wird, dass sie ihre Großeltern vermutlich nie mehr wieder sehen werden. Uns wird gemeinsam – in einem asiatischen Lokal in Gesamtdeutschland – an diesem Abend der Wert und der Preis der Freiheit bewusst. Dass man bereit sein kann, dafür sein Leben und das seiner Familie zu riskieren. 10 Jahre nach dem Ballonflug verkündet Hans-Dietrich Genscher in Prag die Reisefreiheit. Heute, knapp 30 Jahre danach, ist Deutschland am Vergessen. Nur deshalb können Kräfte, die die Freiheit beschneiden wollen, wieder hochkommen. Solche Peanuts wie der Dieselskandal treiben den Radikalen die Wähler in die Arme. Und im Kino gestern Abend nur alte Leute. Außer Noah. Dieser Film gehört in den Geschichtsunterricht an den Schulen. Wer seine Geschichte vergisst ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Schrei nach Freiheit. Mahler meint am 11.10.2018
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