Schokokuss und Paprikaschnitzel.

Ums gleich vorweg zu sagen: Natürlich bin ich für die politisch korrekte Sprache. Und deshalb sage ich auch Schokokuss und Paprikaschnitzel. Jetzt aber wurden Forderungen laut, man solle mit Rücksicht auf die Ureinwohner Amerikas Indianerverkleidungen an Fasching vermeiden. Schließlich seien die Indianer in einem der größten Völkermorde nahezu ausgerottet worden. Und außerdem habe der Federschmuck religiöse Bedeutung und deshalb sei von solchen Sym-bolen auch zu Fasching rücksichtsvoll abzusehen. Auch eine Verkleidung als Chinesin könnte die Kollegin aus Shanghai verhöhnen, weil diese sich karikiert sehen würde.

Ach Du meine Güte. Was ist denn da schiefgelaufen? Ich denke mal, die KritikerInnen haben den Sinn des Karnevals nicht kapiert. Ich schlüpfe aus meiner Haut und lege mir eine andere Identität zu. Für ein paar Tage bin jemand ganz anderes. Idealerweise eine Traumfigur, die viel mit den Abenteuern und Phantasien meiner Kindheit zu tun hat. Und auch eine Rolle, die gar nichts mit meiner Lebenswirklichkeit zu tun hat hilft, aus meinem Alltag mal auszusteigen. Und wenn es sich um einen Bösewicht, einen Piraten oder eine Nonne handelt. Halt! Religiö-ses Symbol, das könnte jemand als blasphemisch empfinden.

Die fünfte Jahreszeit zeichnet sich dadurch aus, dass man lustig sein darf. Dass man durchaus auch mal sich selbst und andere durch den Kakao zieht. Aber eigentlich müssen wir diese Dis-kussion in diesem Jahr gar nicht führen. Wegen Corona können wir uns ohnehin so gut wie gar nicht draußen zeigen. Und die Pappnase bzw. Pappnäsin in den eigenen vier Wänden wird doch hoffentlich erlaubt sein? Helau und Alaaf!

Schokokuss und Paprikaschnitzel.
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