Schlaflos in Berlin

Ich schlafe schlecht in diesen Zeiten.

130 Milliarden will die eiserne Lady von der Leien, um neue Panzer, Stiefel und Helme zu kaufen. Und die Flüchtlinge, die Kriege, die Klimakatastrophe. Irgendwie wurde es gar nicht richtig Winter und dann war er schon wieder vorbei. Wenn ich nicht schlafen kann dann grüble ich.

Ich versuche, die düsteren Gedanken durch schöne Erinnerungen zu vertreiben. Der berühmte kitschige Sonnenuntergang am Meer – der unberührte Tiefschneehang …. Aber das gelingt immer weniger. Dann muss ich irgendwann aufstehen.
Ich lese. Heute Nacht habe ich etwas zum Schlaf gelesen. Da war es halb fünf.

Psalm 127: 

Wenn Gott nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.
Wenn Gott nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.
Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und danach lange sitzt
und esst euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Ich kenne diese Bibelstelle gut. Sie gefällt mir. Es ist so verlockend, diese Stelle mit dem Schlaf so zu interpretieren, dass man glaubt, dass einem einfach alles in den Schoss fällt. Aber eigentlich ruft dieser Text zum Vertrauen auf. Zum Vertrauen auf das Gute, das sich durchsetzen wird. Zu einer Sorglosigkeit, die uns schlafen lässt. Weil wir wissen, dass die Welt sich mit Grübeln und Sorgen kein bisschen verändert.

Sondern mit Glauben an das Gute, mit Vertrauen darauf, dass am Ende eben doch nicht das Böse die Oberhand gewinnt. Und mit Tatkraft, die uns jeden Tag daran arbeiten lässt, dass die Welt ein Stückchen besser wird, wenn wir es nur wollen.

Denen, die daran glauben, gibt es Gott im Schlaf.

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