Kinder und Behinderte unerwünscht?

Eine Wirtin hat mit Pollern am Eingang Kinderwagen aus ihrem Café in Moabit verbannt. Es war ja wohl klar, dass damit ein Shitstorm im Internet ausgelöst wurde – bis hin zum Boykottraufruf gegen das Café. Nun ist es immer einfach, sich ein vernichtendes Urteil zu bilden, wenn man die Komplexität des Themas nicht ernstnimmt. Lassen wir also die Betreiberin zu Wort kommen:

Sie sagte am letzten Mittwoch, Kinderwagen hätten in dem sehr kleinen Café immer mehr überhandgenommen und wiederholt Schäden, etwa an Wänden, hinterlassen. Die Poller gebe es seit etwa zwei Monaten. Vorher habe man lange und vergeblich per Schild darum gebeten, dass Kinderwagen nicht mit ins Café gebracht werden. Rollstuhlfahrer hätten die Tür mit den Pollern wegen einer Stufe auch vorher nicht nutzen können und könnten nach wie vor über einen Seiteneingang ins Café kommen.

Eine einfache Lösung wäre es, vor der Tür einen überdachten Parkplatz für Kinderwagen einzurichten. Wenn das baulich überhaupt möglich ist. Ansonsten finde ich es gerechtfertigt, wenn sich eine Wirtin um den reibungslosen Ablauf in ihrem Lokal sorgt. Wenn das Café wirklich nicht dafür geeignet ist Kinderwagen aufzunehmen, dann ist das so. Und die erwachsenen Begleitpersonen der Kleinkinder und Babys suchen sich dann ein geeigneteres Lokal. Davon gibt’s in Moabit ja wirklich genug.

Ich halte es da immer mit meinem Freund Hendrik, Rollstuhlfahrer: Wenn ein Geschäft oder ein Lokal nicht barrierefrei ist, können die an mir kein Geld verdienen. Pech gehabt. Womit ich wirklich nichts gegen die Bemühungen und gesetzlichen Auflagen sagen will, die immer weiter daran arbeiten, dass Menschen mit Handicaps und Kinderwagen möglichst viele Angebote nutzen können.

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