R-E-S-P-E-C-T. Mahler meint am 17.8.2018

160203_Mahlermeint_bannerGestern haben wir den 60igsten Geburtstag von Madonna, der Queen of Pop, gefeiert. Am selben Tag mussten wir uns von einer anderen Königin verabschieden: Aretha Franklin, die Queen of Soul, ist tot.

Aretha Franklin kommt, wie so viele Soulsängerinnen, aus den schwarzen Freikirchen der amerikanischen Südstaaten. Sie, Tochter eines Wanderpredigers und einer Gospelsängerin, groovte natürlich schon als Teenie im Kirchenchor. Mit 14 bekam sie ein Kind. Mit 18 ging sie nach New York und verband die rauschhafte Erlösungsgewissheit ihrer musikalisch-religiösen Wurzeln mit den irdischen Kämpfen um Gleichberechtigung der Schwarzen und der Frauen. Seite an Seite mit Martin Luther King wurde Aretha Franklin die Stimme des neuen, des gerechten und liberalen Amerika. Aber sie schleuderte ihre musikalischen Botschaften den Angry white Man nicht an den Kopf wie ein Malcolm X, sie nutzte die Kraft der Gerechtigkeit und die Wucht des enthusiastisch und mit Zuversicht vorgetragenen Soul, der die Rassisten verstummen ließ. Und anschließend, einem angeschossenen Tier gleich, wütend machte.

Sie forderte unnachahmlich Respect ein. Der Song wurde zur Hymne. Otis Redding hatte ihn geschrieben, aber er musste kleinlaut eingestehen, als er Franklins Version zum ersten Mal hörte: „Eben habe ich meinen Song verloren. Dieses Mädchen hat ihn mir weggenommen“.

Redding forderte Respect ein für den müden Ehemann, der von der Arbeit nach Hause kommt. Aretha Franklin drehte das Ganze um: Respect  für die Frau, ja, für die schwarze Frau, die bis dahin in den USA nicht mehr galt als ein Aufwischlappen.

Aretha Franklin hat bei der Amtseinführung von Barak Obama gesungen. Vieles schien doch noch wahr zu werden, wovon sie in der Bürgerrechtsbewegung der 60iger geträumt hatte. Als sie gestern 76jährig starb, war nichts mehr davon übrig. Die angry und auch die stupid white Man hatten das Rad der Geschichte zurückgedreht. Aretha Franklin hätte einen Abschied von einem anderen Amerika verdient.

 

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