Nix zu bereuen.

Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Darum haben wir den Buß- und Bettag als Feiertag weitgehend abgeschafft. Und so fehlt uns der arbeits- und schulfreie Mittwoch zwi-schen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag. Schade eigentlich, nicht schade um den freien Tag, sondern schade um die verpasste Chance. Letzten Sonntag dachten zu-mindest manche von uns an das, was unser Volk angerichtet hat und was unserem Volk wiederfahren ist. Das kann, das muss man bedauern, um es nicht zu wiederho-len. Nächsten Sonntag denken zumindest manche von uns an die, die nicht mehr mit uns unterwegs sind. Die schon gegangen sind, zu früh, zu spät, gerade richtig – wer weiß das schon.

Und morgen, morgen haben wir die Chance an das zu denken, was in unserem Leben kaputt gegangen ist. Durch eigene und durch fremde Schuld. Gelegenheit zu trauern, zu beten, dem nachzudenken, was falsch gelaufen ist und was wir in Zukunft besser machen können. Für mich hat der Buß- und Bettag eine reinigende Wirkung. Schuld bekennen und Vergebung erfahren führt immer in die Weite. Ermöglicht neue An-fänge. Ich schließe mich gerne auch persönlich den Worten des Stuttgarter Schuldbe-kenntnisses vom 19. Oktober 1945 an: „Mit großem Schmerz sage ich: Durch mich ist Leid über viele Menschen gebracht worden. Ich klage mich an, dass ich nicht mutiger die Wahrheit gesagt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennen-der geliebt habe. Nun soll in meinem Leben ein neuer Anfang gemacht werden.“

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