Muss eigentlich immer erst etwas passieren?

Egal ob ein ampelgesicherter Fußgängerüberweg vor einer Schule oder Lösungen für ein chronisch überfülltes Flüchtlingslager: Es muss erst etwas passieren, bis eine Reaktion erfolgt. Ein tödlicher Unfall oder Großfeuer wie in den letzten Tagen im Lager Moria auf Lesbos.

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass das Lager, auf 2.500 Geflüchtete ausgelegt, mit 12.600 Menschen hoffnungslos überbelegt ist, dass sich bis zu 100 Menschen eine sanitäre Ein-richtung, eine Toilette oder eine Trinkwasser-Zapfstelle teilen müssen. Und dass viele Menschen dort seit Jahren im Elend ausharren müssen – ohne Aussicht auf Besserung. Jetzt ist das Pulverfass Moria explodiert und alle Welt ist fassungslos.

Die europäische Flüchtlingspolitik hat versagt. Wir wissen das längst. Die Nicht-Regie-rungs-Organisationen versuchen, die schlimmsten Katastrophen abzufedern. Mit Seenot-rettungseinsätzen, mit medizinischer und Lebensmittel-Hilfe in den Flüchtlingslagern, mit juristischem Beistand in Sachen Asylrecht.

Es ist längst klar, dass das nicht reicht. Prognosen sprechen von einer Milliarde Flüchtlin-gen im Jahr 2050. Die Festung Europa kann das Elend, das durch Klimawandel, Vertei-lungskämpfe und durch geostrategische Kriege ausgelöst wird nicht auf Dauer draußen halten können. Auch nicht durch Milliarden-Zahlungen an die Türkei.

Die Flüchtlinge in Griechenland baden jetzt aus, was die europäische Politik seit Jahren versäumt hat. Es muss erst etwas passieren – ob das Fanal von Lesbos ausreicht, um eine Wende in der Flüchtlingspolitik zu bewirken, bleibt abzuwarten. Meine Hoffnung geht ge-gen Null.

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