Mit geht’s gut. Basta.

Wir sitzen im Biergarten. Ein Freund aus Berlin ist mit seiner Tochter zu Besuch. Prächtiges Wetter, eine Jazzband spielt auf, die Schlange an der Essens- und Getränkeausgabe ist zwar lang, aber ansonsten gibt es keinerlei Einschränkungen mehr. Die Welt ist in Ordnung. Außer, wenn auf dem Smartphone die Breaking News gepusht werden, die neue Horrormeldungen aus den Überschwemmungsgebieten oder steigende Inzidenzzahlen melden.

Unser Freund ist noch nicht geimpft. Ich kann es mir derzeit nicht leisten, evtl. 2 oder 3 Tage wegen Nebenwirkungen auszufallen, sagt er. Vielleicht im Herbst, mal sehen.

Am Sonntagnachmittag bei Sonnenschein im Biergarten rücken die Probleme in weite Ferne. Und das streut uns Sand in die Augen. Nichts ist in Ordnung, solange wir die Herdenimmunität nicht erreicht haben. Nicht nur bei uns, sondern international. Nichts ist in Ordnung, nur weil die Unwetter an unserer Stadt vorbeigezogen sind und anderswo zugeschlagen haben.

Es ist natürlich verführerisch zu sagen: mir persönlich geht es im Augenblick gut. Warum sollte ich jetzt etwas ändern? Ich weiß, es nützt nichts, die Moral-Keule zu schwingen und an die Solidarität zu appellieren. Letztlich überzeugen kann uns nur eine Grundhaltung der Empathie für alles Leben um uns herum. Niemand ist eine Insel. Wir alle sind Teil einer wunderbaren, höchst gefährdeten Schöpfung. Albert Schweizers Satz „Ich will leben inmitten von Leben, das leben will“ zeigt uns die Richtung. Zum Impftermin. Zu allen Anstrengungen, die ich unternehmen kann, zur CO2 Reduktion beizutragen und politisch dafür zu kämpfen. Ich möchte mich daran halten und dafür werben, dass es andere auch tun.

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