Menschen mit Handicap.

Es gibt ja viele Gedenk- und Aktionstage. Manche davon sind ziemlich unsinnig. Der heutige aber ist total wichtig. Der 3. Dezember ist seit 27 Jahren der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Es hat sich viel getan in den letzten Jahrzehnten. Ich erinnere mich noch gut an das Jahr 1978. Immerhin schon fünf Jahre nach der Ausrufung des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung durch die Ver-einten Nationen. Ich machte mein freiwillig-soziales Jahr in einem Heim der Diakonie und hatte einige Männer mit Down-Syndrom zu betreuen. Jeder Ausflug in die nähere Umgebung glich einem Spießrutenlaufen. „Wenn Du noch einmal mit den Deppen hier vorbeikommst, hetz ich den Hund auf Euch“ bekam ich einmal zu hören. Inzwis-hen haben wir para-olympische Spiele, Inklusionsschulen, Rollstuhlrampen und vieles andere mehr. Und trotzdem sollten wir diesen Tag ernst nehmen und uns fragen, wo die Politik noch nachbessern könnte. Oder wir persönlich in unserem Alltag Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten mehr beachten und besser behandeln könnten.

Vielleicht hilft eine kleine Erkenntnis weiter: Ich selbst bin auch ein Mensch mit ein-geschränkten Fähigkeiten. Ich kann ohne fremde Hilfe weder eine Steuererklärung abgeben noch einen Computer wieder zum Laufen bringen. Ich brauche Hilfe – ebenso wie mein süße Enkelin Anna, die das Down-Syndrom hat. Nur an einer Stelle braucht sie keine Hilfe, sondern kann Anderen viel beibringen: in Sachen Unmittelbarkeit der Gefühle und grenzenloser Liebe und Fröhlichkeit ist sie uns gefühlsbehinderten Men-schen weit voraus.

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