Alles auf Zucker

Bisher galt Microsoft Gründer Bill Gates als der größte Wohltäter der Menschheit. Mit einem Schlag setzt Marc Zuckerberg zum Überholmanöver an. 43,3 Milliarden US-Dollar auf der Mittelspur, 45 Milliarden auf der Überholspur – auch so, dann sind da auch noch einige der reichsten Männer der Welt auf der rechten Spur für die Schleicher: Gordon Moore mit 6,4 Milliarden, der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg mit 5,4 Milliarden, Warren Buffet, der reichste Mann der Welt mit schlappen 2,9 Milliarden. Ihm gebührt allerdings die Ehre, die Philantropie-Lawine erst so richtig losgetreten zu haben, in dem er die Superreichen in den USA aufgefordert hat, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden.

 
Ha – die Hälfte? 99% des Aktienwertes von Facebook, sagt Marc Zuckerberg und widmet das ganze Publicitywirksam seiner neugeborenen Tochter Max.
Was steckt eigentlich hinter dieser Welle der angeblichen Hilfsbereitschaft? Im 19. Jahrhundert waren es die Industriellen Andrew Carnegie und John Rockefeller, die mit dem Leitsatz „Es ist eine Schande, reich zu sterben“ die Welle der Hilfsbereitschaft auslösten, der sich zum Beispiel auch der Hotel-Tycoon Conrad Hilton anschloss.

 
Was passiert da eigentlich? Vermögen wird von der einen, kommerziellen in eine andere, gemeinnützige Firma umgeleitet. Diese Wohltätigkeitskonzerne entziehen sich – anders als Stiftungen in Deutschland – weitgehend der demokratischen Kontrolle und werden – wie beispielsweise von Melinda und Bill Gates – autoritär und in einer strengen Macht-Hierarchie geleitet. Also nur rechte Tasche – linke Tasche?

 
Nicht ganz. Eigentum verpflichtet und soll laut amerikanischer und deutscher Verfassung wieder an die Allgemeinheit zurückfließen. Problematisieren kann man dabei allenfalls, welches System es möglich macht, dass ein 31jähriger mehr als 45 Milliarden Dollar besitzt und wie viel davon der Gesellschaft durch Steuerhinterziehung gestohlen wurde. Dass sich die Stifter von Silicon Valley dann auch noch anmaßen, soziale Aufgaben besser erfüllen zu können als die Regierung entbehrt nicht eines gewissen Zynismus.

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