Lohngerechtigkeit per Gesetz?

businesswomanQuer durch alle Berufe verdienen Frauen weniger als Männer – und das bei gleicher Arbeit. Ein neues Gesetz soll das nun ändern.

 

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, der für mehr Lohngerechtigkeit in Deutschland sorgen soll. Der Entwurf sieht vor, dass Betriebe ihre Gehälter künftig offenlegen müssen, um die Gerechtigkeit ihrer Entlohnung zu beweisen. Mit der Auflage soll dem „Gender Pay Gap“ zu Leibe gerückt werden, der unterschiedlichen Bezahlung von Männern und Frauen. Das Argument: Nur, weil die Arbeitnehmer in der Regel nicht über die Gehälter ihrer Kollegen Bescheid wüssten, könne diese massive Benachteiligung entstehen.

 

So verdienen Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger als ihre Kollegen. Dieser Fakt ist seit Jahren bekannt, ändern tut sich trotzdem nichts. Die Offenlegung der Gehälter soll die Unternehmen nun zum Handeln zwingen. Zusätzlich sollen Arbeitssuchende und Berufsanfänger bei staatlichen Stellen über Einstiegs- und Durchschnittsgehälter in ihren Branchen aufgeklärt werden. Damit hätten Männer und Frauen dieselben Informationen, um über ein angemessenes Gehalt verhandeln zu können. Denn für den Gender Pay Gap wird nicht nur das mangelnde Wissen über die Gehälter der Kollegen, sondern oft auch das mangelnde Verhandlungsgeschick von Arbeitnehmerinnen verantwortlich gemacht. Mit der entsprechenden Information können Frauen vehementer für ihre Gleichbehandlung eintreten.

 

Laut den statistischen Erhebungen zum Gender Pay Gap verdienen Frauen in durchweg allen Branchen weniger als Männer – auch bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeit. Selbst in den traditionell als „Frauenberufen“ bezeichneten sozialen Berufen müssen Frauen sich mit weniger Lohn zufriedengeben. Bei vielen Stellenanzeigen in der freien Wirtschaft ist das Gehalt Verhandlungssache und kann stark variieren. Die Gehälter offenzulegen, könnte in vielen Unternehmen für entsprechenden Tumult sorgen und eine positive Veränderung bewirken.

 

Ob das Gesetz der Familienministerin die gewünschte Durchschlagskraft erzielt, ist jedoch fraglich. Der Kommission der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geht der Vorschlag nicht weit genug. Sie bemängelt, dass die Regelung nur für Unternehmen ab 500 Mitarbeitern gelten soll. Denn Untersuchungen zufolge seien es vor allem die kleineren Unternehmen, in denen sich die Lohnungerechtigkeit am hartnäckigsten hält. Die Ausnahmeregelung soll verhindern, dass kleine Unternehmen mit einem unverhältnismäßigen bürokratischen Aufwand belastet werden. Der Union hingegen geht die Ausnahme nicht weit genug. Sie kritisierte, dass der Entwurf zu umständlich sei und den Unternehmen zu viel Bürokratie aufbürde.

 

 

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