Lionel Messi: Fußball statt Supermodels – Das Portrait eines kleinen Mannes ganz Groß

Jede Generation hat seinen Ausnahmefußballer. Pele bestimmte die Sechziger, Franz Beckenbauer die Siebziger. Die Achtziger gehörten Michel Platini und Zinedine Zidane war die bestimmende Figur in den Neunzigern. Das 21 Jahrhundert feiert nun Lionel Messi. Der kleine Argentinier hat so ziemlich alle Rekorde gebrochen, die man in einem Fußballerleben brechen kann – und das mit gerade mal 24 Jahren. Er ist Rekordtorschütze des FC Barcelona, erzielte in einem einzigen Champions-League-Spiel fünf Tore, war dreimal in Folge Weltfußballer des Jahres und heimste unzählige weitere Titel ein. Dabei sah es lange nicht gut aus für Messi.

 

Am 24. Juni 1987 wurde Lionel Messi in Rosario, Argentinien, geboren. Früh begann er, wie so viele Kinder, mit Fußball als Hobby. Mit 13 Jahren erlebte er einen großen Einschnitt in seinem Leben. Wegen der Wirtschaftskrise in Argentinien wanderte seine Familie nach Barcelona aus. Neben der neuen, ungewohnten Umgebung, machte der Familie Messi vor allem der kleine “Leo” Sorgen. Mit neun Jahren wurde bei ihm eine Wachstumsstörung diagnostiziert. Sie erforderte eine Behandlung, die 900 US-Dollar monatlich kostete. Das konnte sich die Familie nicht leisten. Sie erinnerten sich an einen Jugendtrainer des großen FC Barcelona, der ihren Jungen bei einem Probetraining sah und total begeistert war. Die Legende besagt sogar, dass der Coach Lionel Messi nach nur einer halben Minute vom Fleck weg verpflichten wollte. Die Familie fragte beim FC Barcelona an, ob sie etwas Unterstützung für ihren gerade einmal 1,43 Meter großen Jungen haben könnten. Der Verein zögerte nicht lange, bezahlte alle Arztrechnungen und nahm Lionel im Team auf. Der Vertrag wurde schnell auf einer Serviette ausgearbeitet und unterzeichnet. Man wollte im Werben um das Megatalent keine Sekunde verschwenden. Von da an nahm die Geschichte ihren Lauf.

 

Bereits in seinem ersten Spiel erzielte Messi fünf Tore. Er war seinen Gegenspielern zwar körperlich unterlegen, hatte aber ein unglaubliches Ballgefühl und war wendig wie kein anderer. Schon damals zeigte sich, dass aus Messi ein Großer werden könnte.  “Er konnte Dinge mit dem Ball anstellen, die jeder physikalischen Logik widersprachen. Der einzige Spieler, von dem ich das je gesehen habe, war Diego Maradona”, sagte sein damaliger Jugendtrainer Enrique Domínguez. Der Vergleich mit der großen Legende Maradona häufte sich im Laufe der Zeit. Die Gemeinsamkeiten sind offensichtlich: Beide sind nicht besonders groß, dafür umso wendiger und ballsicherer.

 

Messi fühlte sich im Barça-Internat “La Masia” von Beginn an wohl. Trotz seiner schüchternen Art machte er sich schnell einige Freunde. Einer von ihnen war Toni Calvo. Er durchlief mit seinem argentinischen Mitspieler die Jugendmannschaften des FC Barcelona. Zusammen mit Messi bildete Calvo ein gefährliches Mittelfeld-Duo. Calvo beschreibt Messi als netten Menschen, der sich allerdings nicht viel aus anderen Dingen außer Fußball machte. Er gehe nicht mal ins Kino, sagte er über Messi.

 

Im Gegensatz zu Cristiano Ronaldo ist Messi so weit von der Glamour-Welt entfernt, wie es nur geht. Er protzt nicht mit dicken Autos oder teurem Schmuck. Er wird nicht ständig mit Supermodels im Arm fotografiert oder betrunken in einer Disco erwischt. Messi ist der normale, leicht verschüchterte Junge geblieben, der er schon immer war. Er sieht sich nicht gern im Rampenlicht und gibt nur wenige Interviews. Das macht ihn umso sympathischer. Zudem hat er sich auf dem Platz gut im Griff. Gelbe Karten kassiert er nur selten. Auch lässt er sich nie zu Diskussionen mit dem Schiedsrichter hinreißen. Sollte ihm mal ein Pfiff nicht gefallen haben, so lächelt er verschmitzt, streicht sich verlegen durch seine dunklen Haare und spielt einfach weiter.

 

Während Calvo mittlerweile bei Levski Sofia in der bulgarischen Liga unter Vertrag steht, kassiert Messi Millionen. Wie kam es dazu, dass das geniale Mittelfeld-Duo solch unterschiedliche Wege beschritten hat? Während es viele Spieler wie Calvo gibt, technisch versiert, mittelgroß und schussstark, verblüfft Messi mit seiner unglaublichen Leidenschaft für den Fußball. Er kämpfte immer, egal bei welchem Spielstand. Sein Auge für die Mitspieler ist beispiellos. Zudem trägt er nicht eine Spur von Egoismus in sich. Erzielt sein Mitspieler das entscheidende Tor, freut sich Messi genauso darüber, als ob er es selbst geschossen hätte.
Frank Rijkaard beobachtete den Argentinier bei einem Spiel der B-Mannschaft. Er traute seinen Augen kaum und schon stand der erst 16-Jährige im Kader für das nächste Spiel der Profis. Im Oktober 2004 debütierte er im Derby gegen Espanyol. Er wurde eingewechselt und zeigte in weniger als zehn Minuten, dass aus ihm mal ein ganz Großer werden könnte. Die Saison 2004/05 schloss er mit sieben Spielen und einem Tor ab. Der Treffer machte aus dem 17-Jährigen den jüngsten Liga-Torschützen in der Geschichte des FC Barcelona. Gleichzeitig wurde er zum teuersten Spieler der Welt. Er unterschrieb einen neuen Vertrag über sieben Jahre. Die Ablösesumme wurde auf unglaubliche 150 Millionen Euro festgeschrieben. Das ist der Grund, warum der Name Messis nie in der Transfergerüchteküche auftaucht. So viel Geld will niemand bezahlen. Zudem sagt Messi: “Barcelona ist mein Zuhause, hier wurde ich von Anfang an sehr gut behandelt. Ich habe also keinerlei Veranlassung, woandershin zu gehen.”

 

Bei der U-20-WM im Sommer 2005 ging schließlich der Stern des Lionel Messi endgültig auf. Er schoss seine Argentinier im Finale mit zwei Toren zum Titel und wurde als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. In der Folgesaison feierte er mit dem FC Barcelona den Gewinn der Champions League, allerdings ohne im Finale eingesetzt worden zu sein. Insgesamt brachte er es in der Saison auf 17 Liga-Einsätze und sechs Tore. Er wurde immer wichtiger für die Mannschaft und sollte bald darauf mit Ronaldinho und Samuel Eto’o das berüchtigte Offensiv-Trio bilden. Im Sommer 2006 sollte Messi dann der ganzen Welt zeigen, was er kann. Das erste große Turnier stand an und sein ganzes Heimatland blickte auf den “kleinen Floh”. Obwohl er auch die spanische Staatsbürgerschaft hat, entschied er sich früh, nur für Argentinien zu spielen.

 

Doch an die WM 2006 hat Messi keine guten Erinnerungen. Er wurde kaum eingesetzt, obwohl der Druck auf den damaligen Trainer José Pekerman groß war. Die Argentinier wollten Messi sehen, doch Pekerman ließ ihn auf der Bank schmoren. So wie auch bei der Viertelfinalniederlage gegen Deutschland, die Messi von außen mitverfolgen musste. Hier zeigten sich erstmals seine zwei Gesichter. Während er im Verein Großtaten vollbringt, gelingt ihm dies nicht im Nationaltrikot. Bei der WM 2006 blieb er blass und erzielte nur ein Tor. Auch in späteren Jahren sollte ihn im Nationalteam das Pech verfolgen, sieht man mal vom olympischen Turnier ab, das in Fußball-Kreisen eher bedeutungslos ist.

 

In der darauf folgenden Saison reifte Messi endgültig zum Stammspieler beim FC Barcelona heran. In 26 Spielen netzte er 14-mal ein. Ein Fußbruch kostete ihn drei Monate, aber er erholte sich schnell von der Verletzung und erzielte gleich bei seinem Comeback-Spiel drei Tore. Das Highlight der Saison war sein Sololauf über das komplette Feld im Pokalhalbfinale gegen Getafe. Wie sein Landsmann Diego Maradona schnappte er sich noch vor der Mittellinie den Ball und spielte Gegner um Gegner aus, bis er schließlich ins leere Tor schoss.

 

Die Saison 2007/2008 endete für Barcelona erneut ohne Titel. Dafür verdoppelte Messi mit 24 Scorer-Punkten seine Leistung und seinen Wert. Der Vertrag wurde erneut verlängert und die Ablösesumme auf 250 Millionen Euro geschraubt. Dies beflügelte ihn im Sommer, als er Argentinien zum Olympiasieg schoss.

 

In der Saison 2008/09 vollendete Messi seinen Weg zum Besten Fußballer der Welt. Er holte mit Barcelona fünf Titel, darunter die Meisterschaft und die Champions League. Er wurde zum Weltfußballer des Jahres gemacht. Diesen Titel verteidigte er zwei Mal, was vor ihm noch keinem Fußballer gelungen war. Mit Xavi Hernández und Andrés Iniesta bildete er das beste Mittelfeld der Welt. Das Trio dominiert bis heute und lässt jeden Gegner erzittern.

 

Messi und der FC Barcelona, das ist Liebe, Hingebung und ewige Verbundenheit. “Ich werde Barcelona nie verlassen. Sie müssen mich schon rauswerfen”, so Messi einst. Er hat dem Verein so viel zu verdanken, dass er es eilig hat, alles zurück zu zahlen. Gut möglich, dass er bis zum Ende seiner Karriere das Trikot der Katalanen tragen wird.

 

Gastbeitrag von Daniel Cerny, Fussball-Analyst des Sportwetten-Spezialisten bwin Bonus.

 

 

 

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