Lieber allein als gemeinsam einsam. Mahler meint am 19.9.2018

160203_Mahlermeint_bannerDer Berliner Autor Stefan Nast landete vor drei Jahren mit seiner Kolumnensammlung „Generation Beziehungsunfähig“ einen Bestseller. Kern seiner Botschaft: Die Armee der verzweifelten Dauersingles ist so stark mit der Selbstoptimierung beschäftigt, dass auch für die Partnerwahl gilt: Es muss irgendwo da draußen einen unter 80 Millionen geben, der noch besser geeignet ist, meinem perfektionierten Ich ein angemessenes Gegenüber zu sein. Das Ergebnis: Kurzepisoden, Trennungen, schließlich dauerhafte Beziehungsunfähigkeit und emotionale Einsamkeit.

Die Psychologin, Therapeutin und Autorin Stefanie Stahl hält dagegen: „Jeder ist beziehungsfähig“ lautet ihre Antithese zu Nast. Es gelte aufzuarbeiten, dass die Beziehung nicht zwangsläufig im Konflikt mit dem eigenen Leben stehen müsse. Die Ich-AG ist natürlich bedroht, das Autonomiestreben, das genauso in jedem Menschen steckt wie der Wunsch nach Nähe, muss in ein gesundes Verhältnis zur Bindung gebracht werden.

Da war es wieder, das alte Thema von der Balance zwischen Nähe und Distanz, zwischen Freiheit und Bindung.

Wer beziehungsunfähig ist, hat in der Regel ein geringes Selbstwertgefühl, sagt Stefanie Stahl. Aus Angst vor Verlust sind diese Menschen in einer Partnerschaft überangepasst, bis sie sich trennen, um ihre Freiheit wieder zurückzuerlangen.

Die Paare, die sich in meinem Pastorenbüro zum Traugespräch einfinden, schauen mich meist überrascht an, wenn ich ihnen sage, dass sie sich nur dann binden sollten, wenn sie es auch mit sich selbst aushalten können. Selbstbestimmt und kompromissbereit, in großer innerer Freiheit und mit der Fähigkeit ausgestattet, sich im Anderen verlieren zu können – das kann man lernen. So kann Liebe gelingen, auch auf Dauer.

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