Le Chateau de Sable

Am liebsten war ich immer am Atlantik. Dort sind die Wellen hoch, die Strände lang und der Wind pfeift in der Regel ordentlich, so dass man die Hitze nicht so spürt. Als Kind war ich ein begeisterter Burgenbauer. In der Mitte hoch erhaben das Hauptgebäude. Drum herum Mauern, Wassergräben, die regelmäßig geflutet wurden, Verteidigungsringe, Zugbrücken, die immer dann heruntergelassen und hochgezogen wurden, wenn ich es wollte.

 

Heute denke ich wieder ans Burgen bauen. An die Festung Europa. Der äußerste Verteidigungsring das sind die Osmanen, die eine lange und große Tradition haben, wenn es um Schlachten geht. Sie versprechen, den äußeren Ring zu halten, wollen aber unverschämt viel Geld dafür haben. Zweiter Verteidigungsring: die tapferen Griechen, schon in der Antike eine Streitmacht, die das Mittelmeer beherrschten. Aber das ist leider lange her. Heute ist der Heerführer der Hellenen nicht mehr Alexander der Große,  sondern Tsipras, der Kleine. Na ja, dann kommen ja Mazedonien und Bulgarien.

 

Eher schwaches Baumaterial, der Sand bröselt, wenn man ihn anfasst. Aber da sind ja noch die tapferen Visegraden mit ihrem Feldherrn Victor Orban, einem schlachterprobten Madjaren, der soeben Burgfräulein Beata von Polen geehelicht hat. Notfalls machen die alles dicht, darauf können wir uns verlassen.

 

Da nützt es auch nichts, wenn der innere Burgfried mit Königin Angela die Zugbrücken runterlässt. Verteidigt wird die Festung Europa ganz woanders.

 

Mist. Eine große Welle, die vom Atlantik hereinbricht überspült die ganze Herrlichkeit. Die Welle kommt aus dem Westen, Richtung Vereinigtes Königreich und erwischt mein Chateau de Sable an der französischen Küste volle Breitseite.

Le Chateau de Sable
Le Chateau de Sable bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
4,33 von 5 Punkten, basierend auf 3 abgegebenen Stimmen.
Loading...