Klimawandel verschiebt Ländergrenzen.

In einigen Jahren ist es wohl das letzte – weil höchste – Sommerskigebiet der Alpen: das Rosa-Plateau auf dem Matterhorn. Auf knapp 3.500 Meter Höhe steht das Refugio Guide del Cer-vino – zu deutsch Matterhornhütte. Und das Unglaubliche ist geschehen: Durch das Abschmel-zen des Gletschers steht die Hütte nicht mehr in Italien, sondern zu zwei Dritteln in der Schweiz. Wer auf der Matterhornhütte die Toiletten aufsucht, muss quasi in die Schweiz ein-reisen.

Die Grenze zwischen Italien und der Schweiz wird durch den Kamm des Gletschers definiert. Dieser Kamm wanderte durch den Gletscherschwund zwischen 1940 und 2000 um knapp 150 Meter in Richtung Süden. Die Wasserscheide ist heute blanker Fels, die Hütte steht genau auf dieser Stelle. Nun beanspruchen die Schweizer zumindest einen Teil der Hütte, die 1984 er-baut wurde, für sich und wollen, dass die Konzessionsgebühren nicht mehr an die italieni-schen, sondern an die Schweizer Behörden entrichtet werden sollen.

Die Bergstation einer Seilbahn wanderte von Italien in die Schweiz, die Konzessionsgebühren ebenfalls. Der Skifahrer merkt davon nichts, egal, ob er nun von Breuil-Cervina im Aostatal oder vom Schweizerischen Zermatt auf den Berg fährt.

Derzeit bemüht sich eine Grenzkommission um eine Lösung. Denn im Grenzstreit kann keine Renovierungsmaßnahme durchgeführt werden – welche Behörde sollte dafür zuständig sein?

Corona verschob die entscheidende Sitzung des Ausschusses von Mai auf November. Die an-gestrebte Lösung: Die Hütte bleibt in Italien und die Schweiz bekommt dafür eine gleichwer-tige Fläche zugesprochen. Wenn die globale Erwärmung weiter fortschreitet, wird das sicher nicht die letzte Grenzstreitigkeit gewesen sein.

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