Kerzen für die Toten.

Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird immer wunderlicher. Sein Aufruf, für die Corona-Toten eine Kerze ins Fenster zu stellen hat mich regelrecht geärgert. Das hat damit zu tun, dass offensichtlich unser Blickwinkel nur noch auf Corona fokussiert ist und alles an-dere ausblendet. Und so stellt sich die Frage, wer der Opfer der deutschen Waffenexporte gedenkt? Der Opfer der Klimakatastrophe, der Flüchtlinge, die beim Versuch, in die „Festung Europa“ einzudringen sterben, der Opfer, die in Moria und in Idlib mit und ohne Corona im Matsch versinken und schutzlos erfrieren … Man könnte noch sehr viel mehr Brennpunkte aufzählen, an denen Menschen mit und ohne deutsche Beteiligung sterben. Und auch hierzu-lande: was ist mit den Grippetoten? Denen, die an unserer Umweltverpestung sterben? Oder den Obdachlosen, die unter den Brücken erfrieren? Den misshandelten und zu Tode gequäl-ten Kindern?

Lieber Frank Walter Steinmeier, man muss sich schon fragen, was diese Aktion jetzt bewirken soll. Betroffenheitsrhetorik von staatstragendem Tiefgang …

Es ist tragisch, dass Menschen sterben. Zumal wenn der Tod vermeidbar gewesen wäre. Aber das ist beileibe nicht nur bei deutschen Corona-Opfern so. Während wir mit unserer Stiftung und unseren NGO-Partnern verzweifelt versuchen, die verheerenden Verhältnisse in Lagern in Griechenland, im Libanon und in Syrien ins kollektive Gedächtnis zu bringen kommt Onkel Steinmeier daher und verengt den Blick wieder auf uns. Das ist die hilflose Geste eines Staats-präsidenten, der damit seine Ohnmacht eingesteht, am Tod, der weltweit auch von unserer Politik ausgeht, etwas verändern zu können oder zu wollen.

Kerzen für die Toten.
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