Kein Holz mehr.

Baufirmen, Zimmerleute und Fertighausbauer schlagen Alarm. Deutschland geht das Holz aus. Aber nicht das Waldsterben ist daran schuld, sondern die Globalisierung. Die USA, China und Japan kaufen das deutsche Holz auf. In Kanada, seither Hauptlieferant für den amerika-nischen und asiatischen Markt, ist ein Schädling in den Wäldern aufgetaucht. Diese Quelle ist nahezu erschöpft. Deshalb kommen die großen Drei – USA, China und Japan – nach Deutsch-land und zahlen gigantische Preise. Die deutschen Zimmerer protestieren: „Stoppt den Holz-export! Holz für den Export – für uns ist es dann fort!“ In Deutschland und auch weltweit wird immer häufiger der ökologische und nachhaltige Baustoff Holz für den Hausbau ver-wendet. Wie kann es sein, dass Deutschland, das mehr Holz produziert als es verbraucht, in einen solchen Notstand geraten ist? Die meisten Wälder in Deutschland gehören dem Staat. Die beauftragten Förster verkaufen schlicht dem, der den höchsten Preis zahlt. So funktio-niert die globale Lieferkette eben. Und genau hier besteht politischer Handlungsbedarf: Bau-firmen und Zimmerleute fordern, dass der Staat bei Holzauktionen den Zuschlag nicht nur über den Preis gewährt. Sondern die in Deutschland ansässigen Betriebe schützt, die sich die gigantischen Preise schlicht nicht mehr leisten können. In den letzten Monaten haben sich die Preise für Bauholz teilweise verdoppelt.

Deutschland verkehrt: von einem Land, das auf dem globalen Markt bisher Einkäufer war und kräftig mitbieten konnte ist ein Land geworden, das sich seine Ressourcen wegkaufen lässt. Jetzt sind wir mal die gekniffenen – moderner Kolonialismus trifft ehemalige Ausbeuter.

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