Kaufrausch

Ich bin verunsichert. Als Bürger, als Konsument. Als traditioneller Sparer mache ich keinen Stich mehr. Zinsen, die gegen Null gehen und nicht mal die Inflation ausgleichen, machen keinen Spaß. Also shoppen. Geld ausgeben, was das Zeug hält. Das ist gelebte Wirtschaftsförderung. Das Bruttoinlandsprodukt wächst nach dem Krisenjahr 2009 stetig, die Steuereinnahmen sprudeln – plus 12,1 Milliarden und die Arbeitslosigkeit sinkt. Das haben wir doch gewollt, oder? Frau geht arbeiten, damit wir uns den Luxus leisten können, Kids in die Kita am besten ab Null und am Besten 24 Stunden.

 

Die deutschen Kernbranchen, Maschinenbau und Automobil sind stark vom Export abhängig – aber es schadet sicher nichts, sich auch hierzulande alle 2 Jahre ein neues Fahrzeug zuzulegen. Ein SUV am besten, größer, teuer, stärker und vor allem durstiger. Hausaufgaben gemacht, Wirtschaft angekurbelt.

 

Und dann kommt die Keule. Feinstaub, Verkehrsinfarkt, fossile Brennstoffe, seltene Erden, Handy- und Konsumelektronikflut – nix da Umwelt und Nachhaltigkeit. Wir verbrauchen dreimal so viel wie nachwächst. Ja wat denn nun? Bescheiden sein, sich einschränken, auf Fleisch verzichten weil Anbauflächen für Soja und so weiter – oder weiter brav die Wirtschaft unterstützen bis zum absoluten Übergewicht – körperlich und Ressourcenmäßig? Kann mir da mal einer helfen? Der Bundeswirtschaftsminister vielleicht? Ach so, der ist ja selber übergewichtig. Die Kanzlerin? Die hat sicher gar keine Zeit zum konsumieren.

 

Der Finanzminister? Ein verhärmter Asket. Also ich weiß da wirklich nicht mehr weiter. Vor allen Dingen dann, wenn wieder über neue Rekordeinnahmen und Exportüberschüsse gejubelt wird.

 

Merken wir was? Da ist inzwischen alles schräg.

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