Ihr habt das alles bezahlt.

Lächerlich sah er aus, der reichste Mann der Welt, als er mit Cowboystiefeln und viel zu großem Cowboyhut zu seiner Rakete schritt. Das brachte ihm dann auch gleich den Titel „Der Kuhjunge im All“ ein. Eigentlich kann man diesen Auftritt nicht mehr toppen – oder? Aber es geht noch peinlicher. Nach seiner Landung haute Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, auch verbal noch eine Peinlichkeit erster Klasse raus. Er sagte allen Ernstes: „Ich möchte mich bei allen Amazon-Mitarbeitern und -Kunden bedanken. Ihr habt das alles bezahlt.“ Fragte man früher erstaunt: „Who pays all this“ ohne eine Antwort zu erwarten – hier outet sich der Multimilliardär als Ausbeuter erster Klasse. Wie man mit einem Versandhandel Milliarden verdienen kann, das hat er uns bewiesen. Mit welchen Methoden das geht, das geht seit Jahren durch die Presse. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon sind skandalös, Arbeitsunfälle infolge des enormen Drucks, denen die Logistiker ausgesetzt sind, an der Tagesordnung. Jedes Ein-scannen eines Pakets wird direkt an den Vorgesetzten übermittelt, der so genau verfolgen kann, wer wie viele Pakete pro Minute abfertigt. Sind es zu wenig, wird der Druck erhöht. So kommt es immer wieder zu Überforderung und zu Arbeitsunfällen. Amazon hat seinen Gewinn in der Corona Krise auf 5,2 Milliarden Dollar verdoppelt.

Auf Kosten der Mitarbeitenden. Dass Jeff Bezos sich jetzt bei ihnen dafür bedankt, dass sie ihm seinen durchgeknallten Raumflug bezahlt haben, ist an Zynismus nicht zu überbieten. Und allen Kunden – einschließlich mir selbst – kann ich nur raten: Solche Typen muss man einfach boykottieren. Man kann auch anderswo bestellen, Mr. Bezos!

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