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#ichbinwichtig! Mahler meint am 31.7.2018

160203_Mahlermeint_bannerEs ist immer noch der Klassiker: Praktikanten und Volontäre werden mit dem Mikrofon auf die Straße geschickt, „Volkes Stimme“ einsammeln. Umfrage nennt man das im Journalistendeutsch. Und bis heute nerven die Radiosender mit Leuten, die sich selbst ungeheuer wichtig nehmen. Endlich kann ich der ganzen Welt mitteilen, was ich schon immer mal sagen wollte.

Heute twittert man. Und spätesten seit #metoo gegen Grabscher und Vergewaltiger und #metwo gegen Rassisten wissen wir, wie zweischneidig das Schwert der veröffentlichten Meinung ist.

Hashtags sind ein wahrgewordener zivilgesellschaftlicher Traum, ein ungeheures Ermächtigungsinstrument auch jener mit  schwacher Einzelstimme und aufgezwungener Randständigkeit.

Hashtags sind aber auch ein wahr gewordener Albtraum. Sie sind missbrauchbar,  weil sie keine eigenen Filterqualitäten besitzen, weil jeder alles mit ihnen auszeichnen und behaupten kann, das sei Teil des ursprünglichen Anliegens.

#Metoo wurde zur großen Denunziationsmaschine, die Anklage und Schuldspruch in eins setzt und obendrein zum Gleichsetzungspanoptikum, in dem ein Büroflirt und eine brutale Vergewaltigung als ein und dasselbe firmieren.

#Metwo, ausgelöst von Mesut Özil, geht den selben Weg. Wichtige Hinweise auf realen Alltagsrassismus mischen sich munter mit Opfergesuhle und dem Einfordern von Sonderrechten.

Das alles ist allerdings nicht das Ergebnis von Hashtags. Unsere Alltagskommunikation ergeht sich in Vergröberung, Polemik, Freund-Feind Denken, vulgäre Gossensprache. Facebook, Twitter und Co bilden nur ab, was unsere innere Haltung ausmacht. Hieran gilt es zu arbeiten, damit wir endlich wieder in einen von gegenseitigem Respekt geprägten gesellschaftlichen Diskurs abbiegen.

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