Ich will Spaß!

Alles, was Spaß macht, ist derzeit verboten. Stimmt nicht. Aber alles, was Spaß macht, ist verzweckt worden. Beispiel: Küssen. Studien belegen, dass Paare, die sich oft küssen, ge-sünder sind und länger leben. Also wird das Küssen rationalisiert, es dient einem Zweck – der eigenen Gesundheit und nicht mehr dem lustvollen Spaß. Schnäbelt man aber unter dem Druck der Gesundheitsoptimierung, dann verkommt das Küssen zu einer unhygienischen Va-riante der Schluckimpfung.

Wenn wir unseren Alltag unter diesem Aspekt durchforsten, dann fällt uns auf, dass inzwi-schen die meisten Dinge einer therapeutischen Verzweckung untergeordnet wurden. Super-food, Smartwatch mit Schrittzähler und Blutdruckmessung, Feng-Shui, Intervallfasten, Yoga, Ayurveda, Functional Training – wir joggen nicht, weil es Spaß macht, sondern weil wir das Herzinfarktrisiko senken wollen.

Das Ergebnis all dieser Bemühungen um ein langes Leben: der Spaß bleibt auf der Strecke. Wir führen ein freudloses Leben, in dem es ausschließlich um Gesundheitsoptimierung und Disziplin geht. Aus Angst vor Krankheit und vorzeitigem Versterben sind wir dem Gesund-heitsterrorismus anheimgefallen, an dem sich ganze Branchen eine goldene Nase verdienen.

Und werden darüber krank, gestresst, gejagt und getrieben.

Vielleicht ist es das gesündeste, was wir uns antun können, dass wir einfach mal auf die Ge-sundheit pfeifen und tun, was uns Spaß macht. Einfach aus Lust am Leben. Ich vermute mal, dass dies die beste Gesundheitsvorsorge ist, die uns auch zu einem längeren Leben verhelfen kann. Vielleicht gerade deshalb, weil Küssen und manches andere lustvoll ist und Glücks- und keine Stresshormone ausschüttet.

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