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Ich trag meinen Liebsten am Hals. Mahler meint am 20.6.2018

160203_Mahlermeint_bannerEs gibt eine ganze Reihe von Roadmovies, in denen die Asche von Verstorbenen an einen gemeinsamen Sehnsuchtsort gebracht und dort in irgendeiner Weise bestattet, verstreut oder anderweitig entsorgt wird. Im Meer beispielsweise. Das ist in Deutschland verboten. Der Leichnam, die Asche gehört – ja wem eigentlich? Das, was von einem Menschen übrigbleibt wenn der Geist aus ihm gewichen ist gehört eben nicht den oder dem engsten Hinterbliebenen. Die Bischöfe der beiden großen Kirchen sagen: „Der Mensch soll nicht zu einer Sache gemacht werden, die von einzelnen Menschen in Besitz genommen wird. Der Widerstand der Kirchen gegen jegliche Veränderung der Bestattungsordnung hat hierzulande Tradition. Es gibt Erd- und Feuerbestattungen. Die Überreste sollen öffentlich zugänglich sein und möglichst nicht anonym. Basta – oder besser: Amen. So wehrten sich die Kirchen gegen Seebestattungen, gegen anonyme Urnenbeisetzungen, auch die Friedwälder wurden von den Hütern der christlichen Tradition in Frage gestellt. Als es en Vogue wurde, kleine Mengen der Asche für eine Privaturne im häuslichen Vitrinen-Schrank abzuzweigen, folgte der nächste Aufschrei. Und jetzt wächst der Widerstand am Objekt eines Schmuckstücks. Zehn Gramm der Asche reichen aus, um daraus einen kleinen Diamanten zu pressen, den man an einem Ring immer bei sich tragen könnte. Etwas mehr reichen aus, um den Liebsten für immer nahe am Herzen zu haben – in Form eines Colliers oder einer Halskette mit Diamant. Ab 3.000 Euro ist das machbar – hierzulande aber leider verboten. Bleibt wieder einmal – wie bei der Sterbehilfe – der Umweg über die Schweiz. In Deutschland verbrennen, für 400 Euro zu den Eidgenossen schicken, die Angehörigen holen die Urne bei der nächsten Urlaubsfahrt in Zürich ab und machen mit der Asche was sie wollen. Mahler meint, dass die Kirchen hier ein Eigentor schießen. Wenn sie schon meinen dass das, was den Menschen zu einem beseelten Wesen macht bereits entfleucht ist, wenn der Sarg in den 700 Grad heißen Ofen im Krematorium geschoben wird ist es unerheblich, was danach mit den Überresten geschieht. Und auch wo und in welcher Weise des Toten gedacht wird. Deutschland ist auch hier – wie an vielen anderen Stellen – deutlich überreguliert.

 

 

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