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Herr über Leben und Tod. Mahle meint am 13.3.2019

160203_Mahlermeint_bannerWer bestimmt über den Anfang und das Ende des Lebens? Über Jahrhunderte hatte man eine Antwort auf diese Frage. Der Schöpfer und Erhalter ist es, greift der Mensch nicht ein, geht alles seinen natürlichen Gang. Das ist längst überholt. Einmal durch die moderne Medizin, die in vielen Fällen das Leben verlängern kann oder auch nicht. Schließlich ist es nicht einzusehen, dass Kinder wegen Keuchhusten oder ältere Menschen wegen Herz- und Kreislaufversagen ihr Leben lassen müssen. Zum anderen hat der freie Wille des Menschen die Fremdbestimmung über die Entstehung und Beendigung des Lebens weitgehend abgelöst. Wer größtmögliche Sicherheit haben soll, dass nichts mit ihm geschieht was er nicht will, wenn er selbst seinen Willen nicht mehr äußern kann, der tut gut daran, beizeiten eine detaillierte Patientenverfügung oder – wichtiger noch – eine umfassende Vorsorgevollmacht zu hinterlegen. Beides hatte Heinrich Senings Vater nicht, als ihm im Jahr 2006 eine Magensonde zum Zweck der künstlichen Ernährung gelegt wurde. Im Lauf der Leidenszeit diente sie nur noch dazu, das Leiden des Mannes künstlich zu verlängern, der ohne dieses Hilfsmittel hätte sterben dürfen. Der Sohn Heinrich Sening lebt in den USA. Der Hausarzt des Sterbenskranken hatte es versäumt, über einen Betreuer den Sohn zu informieren und zu versuchen, den Patientenwillen des schwerkranken Vaters zu erkunden. Deshalb – und weil der Arzt seinen schwerkranken Patienten künstlich am Leben erhielt – verurteilte das Bayrische Oberlandesgericht den Hausarzt im vergangenen Jahr zur Zahlung von 40.000 Euro Schmerzensgeld. Seit gestern wird dieses Urteil vom Bundesgerichtshof überprüft. Es wird hoffentlich gekippt. Sollte der BGH dem Kläger recht geben, hätte dies unabsehbare Folgen. Krankenkassen müssten der Folge womöglich überprüfen, ob ein Patient nicht zu lange am Leben erhalten wurde und unnötig Kosten verursacht habe. Die Frage, wann ein Leben unwert ist und aktiv beendet werden muss wäre dann sowohl dem Patienten aus der Hand genommen als auch jeder höheren moralischen Instanz, wie immer man sie auch benennen mag. Wir lernen aus der Causa Sening aber, dass es unerlässlich ist, dass Ärzte mit Angehörigen und Betreuern engmaschig kommunizieren, um die Selbstbestimmung des Menschen auch dann noch zu respektieren, wenn dieser sich dazu nicht mehr äußern kann.

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