Heiraten in Kriegszeiten.

Wie oft habe ich das aus Erzählungen gehört: Schnell noch heiraten, bevor der Bräutigam an die Front muss. Das war in den 1940iger Jahren. Viele der jungen Ehefrauen waren nach kurzer Zeit ebenso junge Kriegerwitwen.

Im September kündigte Vladimir Putin an, 300.000 Soldaten mobil machen zu wollen. Wieviel er tatsächlich eingezogen hat, lässt sich nur schwer überprüfen. Das unabhängige, russische Medienportal Mediazona fand jedoch einen Weg, die Zahl abzuschätzen: Es verglich die Zahlen der Neu-Eheschließungen mit der Anzahl der unverheirateten Paare und errechnete dar-aus, dass bis Mitte Oktober bereits mindestens 492.000 Menschen mobilisiert wurden.

Hintergrund: Eingezogene Soldaten dürfen ohne Wartezeit heiraten. Andere müssen nach der Registrierung beim Standesamt vier Wochen warten, bis sie heiraten dürfen.

Die jungen Männer hatten also die Wahl: ins Ausland abhauen oder heiraten.

Nur die gesetzliche Ehefrau hat das Recht, ihren verwundeten oder getöteten Ehemann im Krankenhaus zu sehen und evtl. eine Entschädigung zu erhalten. Bei einem Paar, das seit Jah-ren unverheiratet zusammenlebt, schaut die Partnerin in die Röhre.

Eine der vielen Kuriositäten aus einem absurden Krieg. Nicht ungewöhnlich für Kriegsrecht – egal in welchem Land.

Der Gasverbrauch hierzulande geht inzwischen deutlich zurück. Eine positive Wirkung, die Putins Kalkulation durcheinanderwirft: Die Deutschen lernen sparen und die Energiewende nimmt deutlich Fahrt auf. Wie die jungen Männer durch Massenflucht Putins Armee entkommen, fliehen wir mit Vollgas (Entschuldigung, diese Vokabel ist unpassend) aus dem Energie-Würgegriff des Despoten.

Heiraten in Kriegszeiten.
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