Heiraten in Corona-Zeiten.

Am Samstag durfte ich mal wieder ran. Meine Lieblingsdisziplin stand an: Ich habe zwei Men-schen getraut. Sie haben am Hochzeitstermin festgehalten – trotz Corona, trotz schwieriger Suche nach einem Lokal, in dem sie feiern können. Trotz erschwerter Bedingungen in der Kir-che. Aber: es fanden alle Platz, fast 100 Personen waren da, Abstand und Mund-Nasenbede-ckung funktionierten, Es gab genügend Desinfektionsmittel und Sekt im Anschluss im Park. Orgelmusik und Gesang, Band und Ansprache – fast konnte man vergessen, dass es da so et-was wie Covid 19 gibt.

Für ein paar Stunden spielte die Pandemie fast keine Rolle mehr. Wir haben gefeiert, uns ge-freut am Glück des Brautpaares, haben die Begegnungen auch mit Abstand genossen und wir hatten das Gefühl, sie waren nicht weniger herzlich als früher.

Vielleicht haben die Gäste des Trau-Gottesdienstes diesmal intensiver zugehört als sonst. Viele Menschen sind zutiefst verunsichert. Corona hat das Lebensmotto „Wir kriegen das schon alles gewuppt“ massiv in Frage gestellt. Wir erleben Ohnmacht und Ratlosigkeit an allen Ecken und Enden. Wenn dann da die Rede ist von einem guten Gott der Liebe, der nicht alles Unheil von uns fernhalten kann, der aber jeden Weg mitgeht, und sei er noch so abgründig, dann stellen die Zuhörer die Ohren auf. Die Liebe füreinander – sie ist endlich und wird irgend-wann verbraucht sein. Oder zermürbt vom derzeit wahrhaftig anstrengenden Alltag. In der Corona-Zeit nehmen auch die Paarkonflikte massiv zu. Gut zu wissen, dass es da ein Reservoir gibt, das wir anzapfen können: die unendliche und bedingungslose Liebe Gottes, die er uns zur Verfügung stellt, wenn wir uns an ihn wenden. Das Paar, das ich vorgestern getraut habe, tut das. Das gibt mir ein gutes Gefühl für ihre gemeinsame Zukunft.

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