Hairforce One.

Wer aufmerksam durch die City geht, der sieht einen erstaunlichen Wandel. Wovon wurden und werden die Einkaufsstraßen und Plätze beherrscht?

In den 80igern gab es jede Menge Videotheken mit analogen VHS-Bändern – wenn Sie wissen was ich meine. Sie verdrängten die kleineren Ladengeschäfte, die bis dahin noch in jeder Innenstadt gab.

Dann die Schnellfress-Tempel, die sich subway-mäßig in einem Affenzahn breit ge-macht haben. Die Videotheken wurden durch Bräunungsstudios abgelöst. Dann ka-men die Wettbüros. Massenhaft. Und schließlich Tatoo-Studios und Shisha Bars.

Und jetzt reibe ich mir verwundert die Augen: Barber-Shops, soweit das Auge reicht. Die Hairforce One oder Jack the Ripper geheißenen Tempel der kunstvollen Rasur ha-ben sich in 5 Jahren verzehnfacht. Von 250 in 2015 auf 2.500.

Eine Retrowelle der Männlichkeit sieht Jörg Müller vom deutschen Friseurhandwerk in diesem Trend. Für den Mann von heute kann es eben nicht mehr der schlichte Fri-seur sein, der auch mal die Augenbrauen zupft oder die Koteletten kürzt. Nix mehr Fassonschnitt – heute wird gezwirbelt und mit dem Messer gearbeitet, kleine Flam-menwerfer brennen die Haare aus der Ohrmuschel. Der Hipsterbart wird kunstvoll gestutzt. Fläschchen mit wohlriechenden Essenzen, Kopf- und Gesichtsmassage – weil Mann von heute sich das wert ist.

So langsam nähern sie die Barber an den Barbier früherer Jahrhunderte an. Der aller-dings war auch der Bader, der kleinere OPs ausführte. Zähne ziehen oder Aderlass waren auch sein Geschäft. Ich glaube kaum, dass die heutigen Barber-Shops diesem Vorbild folgen werden. Das heißt: ich hoffe es zumindest nicht.

Hairforce One.
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