Griechischer Schein – und die Wahrheit

Mahler meint am 26.01.2015
 
 
[display_podcast] Letzte Woche auf den Skihütten rauf und runter: Udo Jürgens Medleys laufen wie geschnitten Brot und alle grölen mit. Jägertee-neblig verklärt – und am besten geht griechischer Wein. Diese Pro-Gastarbeiterhymne aus dem Jahr 1974 klingt in diesen Tagen seltsam aktuell-unaktuell. Retzina-seelige Verklärung des guten Gastarbeiters, der unser Wirtschaftswunder befördert hat und von daheim träumt – in diesen Tagen wohl eher ein Alptraum. Tsipras hat die Wahl gestern gewonnen – und träumt mit seinen Wählern von Schuldenschnitt und einem Ende des Sparhaushalts. Der Wunsch der Wähler nach schneller Selbstbestimmung war übermächtig. Er ist verständlich, aber unerfüllbar. Finanzielle Unabhängigkeit kann man nur durch Fleiß, Ideen und Entbehrung zurückgewinnen – nicht durch Wahlen. Gleichwohl sollten wir Deutschen uns tunlichst zurückhalten mit Vor-Verurteilungen und Patentrezepten. Wir genießen die griechische Lebensart im Urlaub und in der Taverna Olympia um die Ecke. Viele Griechen haben Kanzlerin Merkel zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt – aber als ich im Urlaub vor Ort mal nachgefragt habe, war davon nichts zu hören. Korruption und Ineffektivität seien schuld an der Misere. Ich meine, dass die Europäische Haushaltspolitik – an der Spitze die Europäische Zentralbank – im Augenblick kräftig daneben liegt. Einfach Milliardenweise frisches Geld in den Markt spülen und damit die Wirtschaft anheizen wird vermutlich wieder nur denen nützen, die nicht am Katzentisch der EU sitzen. Vielleicht sollten wir mal einen Tick weiterdenken, wenn wir das nächste Mal „griechischer Wein“ grölen.
 
 

Griechischer Schein – und die Wahrheit
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