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Geliebtes Chaos

Vielleicht ist es ja gerade das, was Berlin so liebenswert macht. Das Chaos meine ich. Dass man immer das Gefühl hat, diese Stadt kriegt nichts auf die Reihe. Und trotzdem – oder gerade deswegen – hat die Hauptstadt Deutschlands Magnetwirkung auf die ganze Welt. So scheint es auf jeden Fall, wenn man in Berlin unterwegs ist. Es ist voll, schrill, bunt, laut. Manchmal zu voll, in Tegel zum Beispiel. Aber ob und wann der BER eröffnet, ist nach wie vor fraglich. Nichts genaues weiß man nicht.

 

Man weiß auch nicht, ob die Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 18. September durchgeführt werden können. Die neue Wahl-Software funktioniert nicht richtig – das heißt anderswo lief sie schon. Aber Berlin ist eben Berlin. Und: Neuberliner können nicht registriert werden. Die Ämter … aber lassen wir das.

 

Das heißt: nicht ganz. Egal, ob man ein Auto anmelden, seinen Wohnsitz ummelden oder einen neuen Erdenbürger anmelden möchte – kurzfristige Termine auf den Ämtern zu bekommen ist ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Der Berliner an sich erträgt vieles mit einer Gelassenheit, die einem schon wieder Angst machen könnte. Den täglichen Megastau auf den Stadtautobahnen. Die Pannen im Öffentlichen Nahverkehr. Die Schlangen vor den Museen.

 

Ich pendle seit 27 Jahren. Und jedes Mal sage ich: eigentlich mag ich nicht mehr. Diese Stadt platzt einfach aus den Nähten und keiner scheint das in den Griff zu kriegen. Und dann komme ich doch wieder und erliege dem Berliner Charme, der offensichtlich in der Kunst der Improvisation liegt.

 

Was nicht passt, wird passend gemacht. Oder auch nicht. Egal. Berlin, wenn ick an Dir denke, ist mir janz blümerant zumute. Diese Stadt macht eben schwindlig.

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