Geflüchtete erfrieren – und Europa schaut zu.

Täglich erreichen uns verzweifelte Hilferufe aus Lipa in Bosnien. Bilder gehen durch die Me-dien, die Geflüchtete völlig hilf- und obdachlos in eisiger Kälte zeigen. Das abgebrannte Lager soll wieder aufgebaut werden. Die EU schaut zwar hin, aber der Streit mit den bosnischen Behörden verhindert eine schnelle und effektive Hilfe. Der schwarze Peter wird zwischen der EU und Bosnien hin- und hergeschoben. Freiwillige aus Deutschland – darunter auch Ärzte – reisen unter dem Radar in die Region und suchen die Geflüchteten in Abbruchhäusern und auf freiem Feld auf. Sie berichten von katastrophalen Zuständen. Deutschland müsse die 700 Ge-flüchteten evakuieren, um sie vor dem Erfrieren oder am Zugrundegehen an nicht behandel-ten Krankheiten zu retten, fordert ein Arzt aus Deutschland in tiefer Verzweiflung. Aber einen deutschen Alleingang wie 2015 meiden die Politiker wie die Pest. Eine europäische Lösung muss her. Die aber scheint aussichtslos – währenddessen sterben Menschen an der Außen-grenze Europas an der kroatischen Grenze. Bosnien hat einen Aufnahmeantrag in die EU ge-stellt.

Es ist schlicht unerträglich, dass Menschen einem bürokratischen Streit zum Opfer fallen. Und wir scheinbar hilflos zuschauen. Das Einzige, was bleibt ist, dass wir Hilfsorganisationen unter-stützen, die versuchen zu retten, was zu retten ist. In Bosnien, in Griechenland, in Syrien, im Libanon, auf dem Mittelmeer. Das entbindet uns aber nicht von der Aufgabe, politischen Druck auszuüben, wo immer wir das können. Wenn Deutschland und Europa nicht endlich entschlossen handeln, verlieren wir den letztes Rest unserer humanen Grundeinstellung, zu der wir uns durch die Ratifizierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verpflichtet haben.

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