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Ein Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller
  • Von der Seele reden

Warum feiern wir eigentlich Ostern

Von der Seele reden

28.04.2025

Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.

Jeden Donnerstag um 20:45 Uhr im Radio und bereits vorab hier den ausführlichen Kommentar online hören. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Warum feiern wir eigentlich Ostern?

Haben Sie mal im Internet geschaut, was es da über Ostern zu lesen gibt? Osterschnäppchen, Osterurlaub mit Ausflügen, Wetter zu Ostern, Verkehr zu Ostern, Ostern: Angebot an Eiern dieses Jahr erneut knapp. Spielt es denn gar keine Rolle mehr, was wir an diesen Tagen feiern? Warum wir freie Tage genießen dürfen?

Globaler Terrorismus, religiöser Fundamentalismus, Kriege und steigende Gewaltbereitschaft haben viele Menschen verunsichert. Sie suchen Halt und Orientierung. Hier können unsere historischen Wurzeln und unsere kulturelle Identität helfen. Es geht um die Erinnerung und das Fortschreiben unserer christlichen Traditionslinie mit hohem Symbolkapital in die Gegenwart. Die christlich-abendländische Kultur hat ausreichend Antworten für den Menschen. Wichtigster Wert und Leitlinie dabei ist die Liebe, in der das Bedürfnis steckt nach Annahme, Respekt, nach würdevollem Umgang miteinander sowie dem Willen zur Verständigung und Versöhnung. Ein verständnisvolles Herangehen an andere Lebens- und Denkweisen setzt ein Bewusstsein von den eigenen Wertvorstellungen voraus. Wer weiß, was ihm/ihr warum „wert“ ist, wird eher verstehen, dass anderen anderes wert ist. Wo man zurückstehen muss, und wo man es von anderen verlangen darf. Vor dem Verstehen der anderen steht ein Mindestmaß der eigenen kulturellen Herkunft.

Ostern geht es darum, dass Jesus Christus durch seinen Tod die Macht des Todes gebrochen hat. Stellvertretend für uns alle erleidet Jesus die Strafe und nimmt das Todesurteil auf sich. Der Besiegte ist in Wirklichkeit der Sieger. Auf diese Weise hat Gott die Herrscher und Mächte dieser Welt entwaffnet. Er hat sie öffentlich

bloßgestellt, indem er durch Christus am Kreuz über sie triumphiert hat.

Als der ehedem bekannte Kabarettist Hanns Dieter Hüsch starb, stand auf seiner Todesanzeige folgender von ihm verfasster Vers: „Ich bin erlöst, vergnügt, befreit – Gott nahm in seine Hände meine Zeit.“ Das ist für mich eine wunderschöne Formulierung für die Endlichkeit des Lebens und gerade hierdurch für das Aufgehobensein in Gott.

Das Auferstehungsversprechen ist sicher für die meisten Menschen eines Glaubens der hauptsächliche Grund, glauben zu können. Für sie ist die Vorstellung, nach dem Tode in ein ewiges Nichts zu fallen, unerträglich. Die Auferstehung ist Grundlage vieler subtiler Konstruktionen über die Frage, wie es ewige Körper geben könne. Der Glücksforscher Wilhelm Schmid vertritt die Überzeugung, von Bedeutung sei nicht, wie es sich in Wahrheit verhalte. „Letztlich kommt es nicht auf das Wissen an, das kein Mensch mit letzter Sicherheit haben kann, sondern auf die Deutung, die jede/r für sich selbst vornimmt, sei es auf der Basis von Plausibilität (was ihm/ihr einleuchtet) oder von Ästhetik (was ihr/ihm schön erscheint.“

Ich wünsche Ihnen eine optimistische Osterwoche, in der die Achtsamkeit nicht zu kurz kommen sollte.