00:00
01:47
  • Mahler Meint
  • Kommentar

Schaut hin.

16.05.2021

Gestern ging der 3. Ökumenische Kirchentag in Frankfurt zu Ende. „Schaut hin“ war das Motto – und das war in doppelter Weise herausfordernd. „Schaut hin“ war sozusagen alter-nativlos, denn für die meisten Besucher gab es lediglich den Monitor zu Hause. Der erste Kir-chentag, der fast ausschließlich im Netz stattgefunden hat, ist Geschichte. Herausfordernd war das Thema „schaut hin“ auch deshalb, weil Corona uns zwingt, viel mehr zu schauen als wir wollen und was uns lieb ist. Die Macht der Bilder hat uns im Würgegriff. Unsere Seele kann die Fülle der Nachrichten, die 24/7 auf uns einprasseln, nicht mehr wahrnehmen, auf-nehmen, verarbeiten. Im Smartphone-Zeitalter sind wir offensichtlich dazu verdammt, nichts zu verpassen. Wenn wir uns etwas Gutes tun wollen, müssen wir anfangen, sehr bewusst zu konsumieren. Die Rundfunksender, die Streamingdienste, die sogenannten sozialen Medien, die Nachrichtendienste und auch die online-Zeiten. Wenn wir unsere Seele vor der vollstän-digen Vermüllung, unseren Geist vor der totalen Inwelt-Verschmutzung bewahren wollen bleibt uns nichts anderes übrig, als zu fasten. Uns Auszeiten zu nehmen. Ab- und auszuschal-ten. Nicht mehr alles an uns heran und in uns hineinzulassen. Ja, schaut hin. Und schaut auch rechtzeitig weg, bevor ihr kaputt geht. „Schaut hin“ war sicher ein gutes Motto für ei-nen Kirchentag, der sich auf die Fahnen geschrieben hatte, Missbrauch aufzuarbeiten und ungerechte Strukturen inner- und außerhalb der Kirche ins Visier zu nehmen. Ich möchte hinzufügen: Schaut hin und sucht das heraus, was für Euch relevant und not-wendig ist. Und schaut auch rechtzeitig weg, um nicht in einen Strudel der negativen Nachrichten hineinge-zogen zu werden, der Euch fortspült. Ich kann es nicht mehr hören und nicht mehr sehen – das ist das SOS der Seele.