
Ich mache mir die Welt so wie sie mir gefällt.
19.03.2026
Zitat von Bertolt Brecht nach dem 17. Juni 1953:
„Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“
Man kann aber auch einfach als Regierung ein Volk wählen, das es noch gar nicht gibt. Daniel Jackson, 21, ist ursprünglich Australier. Jetzt aber Präsident der Freien Republik Verdis. Verdis liegt auf einem schmalen Streifen an der Donau zwischen Kroatien und Serbien. Die Freie Republik ist so groß wie 75 Fußballfelder. Bisher wohnt dort niemand. Aber das stört Daniel Jackson nicht. 2019 wurde Verdis gegründet, 2023 rückte Jackson mit Unterstützern an, um eine Siedlung zu gründen. Das ging schief, die kroatischen Behörden griffen ein, die Gruppe wurde festgesetzt und ausgewiesen. Jackson selbst erhielt ein lebenslanges Einreiseverbot.
2800 Menschen haben sich bislang um eine Staatsbürgerschaft beworben, 400 sind aner-kannte Verdianer mit Pass. Es gibt eine Flagge und eine Verfassung. Und Jackson beruft sich auf die Konvention von Montevideo: es gibt ein Territorium – ein sogenanntes Niemandsland, ein Staatsvolk, eine Staatsgewalt und die Fähigkeit, internationale Beziehungen zu führen. Aber: das terra nullius – das Niemandsland – hat im modernen Völkerrecht kaum noch praktische Bedeutung. Und Privatpersonen können sich darauf schlicht nicht berufen.
Was die Story für mich besonders interessant macht: Im 18. Jahrhundert landeten meine Vorfahren genau in dieser Gegend mit einer Ulmer Schachtel am Donauufer. Das Schiffchen diente als Baumaterial für das erste Haus. Allerdings: Sie hatten eine Einladung von Maria Theresia, ins damalige Österreich-Ungarn zu kommen und sich dort anzusiedeln. Sie wurden auch wieder ausgewiesen – 1948 zogen sie auf der Balkanroute wieder in Richtung Heimat.