
Erhalten statt zerstören
21.05.2026
Wir haben eine neue Kirche gebaut. Unsere war in die Jahre gekommen – 1960 war die letzte große Erweiterungsmaßnahme. Seitdem: Renovierungsstau über 60 Jahre. Es war klar: Etwas neues musste her. Wir haben mehr als 20 Jahre geplant – von der Jahrtausendwende bis 2020. Der Plan stand – schön und schick und etwas monumental. Dann kam Corona. Die Baupreise stiegen ins Uferlose. Die finanzierende Bank hat uns den Stecker gezogen. Bei über 6 Millionen Euro. Ein Plan B musste her. Und siehe da: 5 aktive Personen im Bauausschuss und eine sehr kompetente Firma, die sich auf Altbausanierungen spezialisiert hat, rockte die Sanierung in einem Jahr, blieb im Zeit- und Kostenplan und machte den Kirchenbau für 2,5 Millionen schick und frisch. Fördermittel für Barrierefreiheit und Wärmepumpen flossen reichlich. Das alles wäre beim Neubau nicht möglich gewesen. Die Kirchengemeinde hat den Bau freudig ange-nommen – das Gemeindeleben hat deutlich an Fahrt aufgenommen.
In den Innenstädten Deutschlands macht ein Zauberwort die Runde: Bauen im Bestand ist das Gebot der Stunde. Anstatt Gebäude abzureißen und neue, schicke Glaspaläste hinzuklotzen, sagen Experten, dass man zuerst prüfen sollte, ob Bauen im Bestand sinnvoll sein könnte. Vor-teile: CO2 wird sowohl beim Abriss vermieden als auch beim Neubau nicht erzeugt. Ein histo-risch gewachsenes Stadtbild wird erhalten und nicht durch immer mehr seelenlose Zweckbau-ten ersetzt. Die Flucht der Kaufhäuser und Kirchen in Shoppingmals und Mehrzweckhallen auf der grünen Wiese wird gestoppt. Die Infrastruktur und der ÖPVN gewinnen an Bedeutung – die Innenstädte werden belebt und veröden nicht. Und die Parkprobleme werden minimiert. Ganz ehrlich: Es gibt keine Argumente gegen Bauen im Bestand. So gesehen haben wir alles richtig gemacht und da alles gut geklappt hat, hat Gott offensichtlich seinen Segen dazu gege-ben.