
Der Humor steckt in der Krise.
04.08.2020
Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Die Corona Witze werden selten. Zu Beginn der Pandemie bekam ich jeden Tag einen Klopapier-Witz auf mein Smartphone. Jetzt ist ebbe. Neulich kam noch was Nettes: „Ist das hier das Ende der Schlange hier?“ worauf ein Berliner antwortet: „Nee, wir stehen alle falsch rum und du bist jetzt dran.“ Aber irgendwie sind wir alle nicht zum Scherzen aufgelegt. Humor ist ja Kopfsache. Das lateinische Wort bedeutet „Feuchtigkeit“ und bezeichnet ebenjenen Körpersaft, der uns laut der antiken Temperamentenlehre des Galenos von Pergamon eigentlich heiter machen soll. Aber laut Galenos gibt es auch noch andere Säfte. Eben die, die einen melancholisch, phlegmatisch oder cholerisch werden lassen. Und die durchströmen uns derzeit deutlich mehr.
Was daran so tragisch ist: Wann, wenn nicht jetzt brauchen wir was zum Lachen? Wann, wenn nicht jetzt müssen wir aufgeheitert werden, um aus unseren trüben Gedankenspiralen raus-zukommen?
Aristoteles meinte, es sei vor allem das Missgeschick der anderen, der uns zum Lachen bringt. Also Schadenfreude. Das ist billig – aber es gibt ja auch noch die Freud‘sche Variante: die Ent-ladung von etwas Unterdrücktem. Der unterdrückten Angst vor dem Virus zum Beispiel.
OK, ich mache noch einen letzten Versuch:
Vater und Tochter unterhalten sich im Jahr 2035. „Papa, warum heißt meine Schwester ei-gentlich Manila?” „Weil wir sie auf den Philippinen gezeugt haben. Manila ist die Hauptstadt.” „Danke Papa, jetzt verstehe ich es.” „Kein Problem, Quarantäne.“
Nicht komisch? Wenn sie gar nichts mehr zum Lachen finden, haben sie immer noch sich selbst. Hauptsache wir lassen uns den Humor nicht klauen vom Virus. Wär doch gelacht!