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  • Mahler Meint
  • Kommentar

Biographiearbeit.

04.02.2026

Ich war als Jugendlicher sein Zivi. Er war mein großes Vorbild. Kam gleich hinter Jesus, Ghandi, Martin Luther King. Einem Impuls folgend habe ich ihn neulich besucht. Es war bewegend. Gerd ist jetzt 80. Er lebt allein, seine Frau wohnt nicht weit entfernt von ihm. Ein lebendiger Geist, hoch intelligent, bestens informiert. „Nur mein Gedächtnis wird löchrig“, sagt er mir verschmitzt lächelnd. Ich gehe in seine Selbsterfahrungsgruppe, die er immer noch leitet. Er hat die Zusatzausbildungen hier für alle gemacht, die Gesprächsführung hat er allerdings an seinen besten Freund, einen pensionierten Lehrer, abgegeben.

Mit meinem Schwiegervater habe ich es vor Jahren gemacht. Und mit vielen anderen auch. Biographiearbeit. Glücklicherweise kann ich ein Mikrofon halten und habe das dann alles sauber geschnitten auf CDs oder USB-Sticks. Ich mache das bewusst nicht, dass ich die Mitschnitte digital herausgebe. Der Interviewte muss selbst steuern, wer sein Leben in die Hände bekommt.

Jetzt also Gerd. Ich freue mich drauf. Und ich habe endlich mal wieder mein Buch aus dem Rechner gezogen. Seit vielen Jahren schreibe ich. Ich habe es nur noch nicht systematisiert. Jetzt ist es Zeit. Und ich kann ja nicht nur ein Buch, sondern auch gleich ein Hörbuch draus machen.

Wir hatten neulich sehr netten Besuch. Manuel erzählte mir, dass sein Vater ein Buch geschrieben hat. Und wie hilfreich es für ihn und seine Schwester war, das Leben seines Papas ganz neu kennenzulernen.

Zwei Sätze: Nichts interessiert einen Menschen mehr als ein Mensch. Und: Das Leben muss vorwärts gelebt, kann aber nur rückwärts verstanden werden.

Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie sich auch an Ihre Lebensgeschichte herantrauen. Ja, es ge-hört Mut zur Selbstreflektion. Aber seien sie sicher: Es lohnt sich in jedem Fall.