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  • Mahler Meint
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Aufstand gegen Rom.

11.05.2021

Am letzten Sonntag schien die Sonne über Deutschland. Es war ein schöner Tag – auch für viele gleichgeschlechtliche Paare. Denn die Aktion unter dem Motto #liebegewinnt führte viele Liebende in die katholischen Kirchen des Landes. Unter den 120 Pfarreien waren auch drei in Berlin. Homosexuell Liebende wurden als Paare oder Einzeln von Pfarrern gesegnet.

Kirchenpolitisch gesehen muss man die Aktion als Protest sehen. Eigentlich ist es ein Akt des Ungehorsams gegen den Heiligen Vater in Rom und den Vatikan. In einem Schreiben, das die Kirchen in Deutschland aus der römischen Zentrale erreichte, wurde die Segnung ausdrück-lich verboten. Das Argument: Gott lehnt zwar den Sünder nicht ab, aber er segnet nicht die Sünde. Auch die Deutsche katholische Bischofskonferenz schloss sich diesem Verbot an.

"Wir werden Menschen, die sich auf eine verbindliche Partnerschaft einlassen, auch in Zu-kunft begleiten und ihre Beziehung segnen", heißt es in dem Aufruf #liebegewinnt. Theologi-sche Argumente und Erkenntnisgewinne seien zu Genüge ausgetauscht. Die beteiligten Ge-meinden wollten nicht mehr hinnehmen, dass eine ausgrenzende und veraltete Sexualmoral auf dem Rücken von Menschen ausgetragen wird und die Arbeit in der Seelsorge untergräbt.

Man darf gespannt sein, wohin die Auseinandersetzung des Vatikan mit der katholischen Ba-sis führt. Das gilt auch für die offenen Fragen der Stellung von Frauen, dem Zölibat und der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Viele Katholiken hoffen immer noch auf Reformation statt Trennung. Denn sonst, so sagen sie, ist die Kirche nicht mehr zu retten.