Freiwild Schiri. Mahler meint am 29.10.2019

„Ihr seid Muschis!“ polterte der Ex-Nationalspieler Holger Badstuber und trampelte vom Platz. Der Verteidiger des VfB Stuttgart wollte damit ausdrücken, dass die Schiris nicht mehr den Mut hätten, eigene Entscheidungen zu treffen und bei jeder Kleinigkeit Karten zücken. Ihn hatte es mit Gelb-Rot erwischt, der VfB verlor sein Spiel gegen Holstein Kiel und Badstuber wurde für 2 Spiele gesperrt und durfte eine saftige Geldstrafe berappen. So weit so schlecht. Aber das ist nur ein laues Lüftchen gegen das, was sich im Amateurbereich abspielt. Erst im Saarland und danach in Berlin traten die Pfeifenmänner in den Streik. Die Gewalt gegen Referees ist ein bundesweites Problem, gerade in den unteren Ligen. Da werden Schiedsrichter schon mal krankenhausreif geschlagen, wenn eine Entscheidung nicht genehm ist. Das Fußballfeld wird zum Schlachtfeld, nicht nur wegen türkischer Spieler, die mit Militärgruß salutieren. Wir schätzen das Ehrenamt – und gerade an der Basis sind Trainer und Schiedsrichter oft Menschen, die aus Liebe zum Sport ihre Freizeit opfern – unbezahlt. Um das Ehrenamt, dem wir in der Gesellschaft unendlich viel zu verdanken haben, nicht vor die Hunde gehen zu lassen, muss etwas passieren. „Es darf nicht den ersten toten Schiedsrichter in Deutschland geben“ sagte der Berliner Schiedsrichter-Sprecher Ralf Kisting im Deutschlandfunk. Recht hat er – nur: welche Mittel haben wir denn? Streik ist das eine. Strafen und Platzsperren das andere. Das eigentliche Problem aber ist die Verrohung der Sprache und ungebremste Aggressivität im Verhalten. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die wir den sozialen Medien zu verdanken haben und der Verweigerung von Erziehungsberechtigten, ihren Kindern ein stabiles Wertekorsett mit ins Leben zu geben. Ja, ich kann‘s auch nicht mehr hören, weil es abgedroschen ist. Aber es ist auch wahr. Respekt vor dem Mitmenschen, wer immer er auch sei ist eben ein Grundwert, auf dem unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft fußt. Wir brauchen wirklich so etwas wie eine ethisch-moralische Wende. Sonst wird die Gewalt – verbal und körperlich – normal in unserem Alltag.
 

 
 

Freiwild Schiri. Mahler meint am 29.10.2019
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