Frauen am Ball

In der Welt des Fußballsports sind Frauen schon fast ebenso lang am Ball, wie die Herren der Schöpfung. Jedoch wird der Frauenfußball trotz zahlreicher Erfolge auch heute noch von vielen Vorurteilen begleitet. Es ist ein extrem steiniger Weg in einem von Männern dominierten Sport. Selbst die Berichterstattung in den Medien kam erst vor einigen Jahren ins Rollen. Ein großes mediales Erfolgserlebnis gelang den kickenden Damen zum Auftakt der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland, denn rund 15 Millionen Zuseher sorgten für eine rekordverdächtige TV-Quote.

 

Bei solch spektakulären Publikumserfolgen ist es heute kaum vorstellbar, wie viel Mut und Zähheit von den Spielerinnen bis zur gegenwärtigen Popularität des Frauenfußballs abverlangt wurde. Ende des Jahres 1921 sprach die Football Association ein Verbot für die Stadionbenutzung der englischen Frauen aus, dennoch aber ließen sich die Damen nicht vom Ball abbringen. Daraufhin gründeten sie nur kurze Zeit später den englischen Frauenfußballverband und bestritten 1922 das erste Turnier. Doch erst im Jahr 1969 wurde die ‘Confederation of Independent European Female Football‘ ins Leben gerufen.

 

In Deutschland zog der DFB im Juli 1955 nach und verbat den fußballspielenden Frauen jegliche Teilnahme in seinen Vereinen. Dieses Verbot wurde von den Fußball-Herren damals einstimmig “aus ästhetischen Gründen und grundsätzlichen Erwägungen” beschlossen. Die männliche DFB-Riege begründete: “Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.”

 

Während dieser Verbotszeit haben sich die Damen trotzdem nicht die Lust am Fußballspiel nehmen lassen und kickten somit weiter in eigenen Vereinen oder als Abteilungen von Vereinen, die nicht dem Herrenstab des Deutschen Fußball-Bunds unterstellt waren.

 

Erst ab 1970 zahlte sich die Hartnäckigkeit der Fußballspielerinnen endlich wieder öffentlich aus. Auf dem Verbandstag am 31. Oktober 1970 in Travemünde erklärte der DFB das Verbot für den Frauenfußball offiziell als nichtig und hob den Verbotsbeschluss damit auf. Der DFB setzte 1977 die gelernte Diplom-Sozialpädagogin Hannelore Ratzeburg als Referentin für den Frauenfußball ein. Aufgrund ihres Engagements war Hannelore Ratzeburg die treibende Kraft, die es unter anderem ermöglichte, dass neue Wettbewerbe, wie der DFB-Pokal und der Länderpokal, eingeführt wurden.

 

Das erste offizielle Länderspiel absolvierte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft am 10. November 1982 gegen die Schweiz. Die damals zweitjüngste deutsche Spielerin Silvia Neid wurde bei dieser ersten Länderpartie in der 41. Minute eingewechselt, um nur eine Minute später die deutschen Frauen zum 3:0 zu schießen. Am Ende dieses Frauen-Länderspiels triumphierte Deutschland mit einem 5:1-Sieg gegen die Schweiz. Seit 2005 ist die ehemalige Länderspiel- Torschützin selbst äußerst erfolgreich als Bundestrainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft tätig.

 

Angesichts der Erfolge bei den Frauenfußball-Länderspielen und dem Gewinn der Europameisterschaft im Jahr 1989 konnten auch die DFB-Herren den Wandel im Frauenfußball nicht mehr aufhalten. Die amtliche Einführung einer Bundesliga für Frauenfußball wurde erst 1989 vom DFB genehmigt. Daraufhin haben 20 Mannschaften der Damen, aufgeteilt in zwei Gruppen, den Spielbetrieb in der höchsten deutschen Spielklasse im Jahr 1990 aufgenommen. Gegen Ende der 1990er Jahre galt der Frauenfußball in Deutschland zwar immer noch als belächelte Randsportart, dennoch nahm das Ansehen und die Akzeptanz langsam aber stetig zu, ebenso wie die Zuschauerzahlen. In der ersten Bundesliga-Saison 1990/91 gewann die Frauenfußballmannschaft vom TSV Siegen den Meistertitel und verteidigte diesen Titel auch als erster Verein. Dem TSV Siegen ist es zudem seit der offiziellen Gründung der Bundesliga insgesamt fünf Mal gelungen, den deutschen Meisterschaftstitel zu holen.

 

Die Siegener-Spielerinnen sind außerdem fünf Mal DFB- Pokalsieger geworden und verhalfen dem TSV zu bundesweitem Ruhm, der unter anderem auch bekannte Fußballspielerinnen wie Silvia Neid und Doris Fitschen im Aufgebot hatte. Mit der Übernahme durch den Verein Sportfreunde Siegen ging die erfolgsgekrönte Ära der Damen- Mannschaft beim TSV Siegen im Jahre 1997 zu Ende. Ab 1998 kickten sich dafür die Fußballspielerinnen vom 1. FFC Frankfurt siegreich an die Spitze. Insgesamt sieben gewonnene Titel machen die Spielerinnen des Frauenfußballvereins des 1. FFC Frankfurt zu Rekordmeisterinnen. Derzeitig ist der 1. FFC Turbine Potsdam amtierender Meister der deutschen Frauenfußball Bundesliga. Die talentierte ehemalige deutsche Nationalspielerin Ariane Hingst war in den Jahren von 1997 bis 2007 mit 53 Toren in 160 Spielen maßgeblich an den Erfolgen des 1. FFC Turbine Potsdam beteiligt und zählt heute neben Birgit Prinz zu den bekanntesten Spielergrößen des Frauenfußballs in Deutschland.

 

 

In den 1990er Jahren ging es für die deutschen Spielerinnen auch auf internationaler Ebene weiter bergauf. Die Damen verteidigten 1991 ihren Europameistertitel und schossen sich in der erstmalig ausgespielten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft auf einen ansehnlichen vierten Platz. Bei der in China ausgetragenen ersten Frauen-WM scheiterte Deutschland im Halbfinale gegen die Amerikanerinnen. Schlussendlich gewannen die US-Damen die erste FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 1991. Gemeinsam mit dem Nationalteam der Vereinigten Staaten zählt auch Deutschland heute mit jeweils zwei Meisterschaftstiteln zu den WM-Rekordsiegerinnen. Das zuletzt im Jahr 2011 ausgetragene Frauen-Fußballturnier in Deutschland entschieden die japanischen Damen für sich. Damit erkämpften sie für Japan den ersten Weltmeistertitel der FIFA Frauen-WM.

 

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen spielte nicht nur zahlreiche Erfolge ein, sondern brachte auch außergewöhnlich gute Fußballerinnen wie Birgit Prinz hervor. In den Jahren 2003 bis 2005 sowie von 2007 bis 2010 wurde die ehemalige deutsche Nationalspielerin als Weltfußballerin gekürt. Zusätzlich schaffte es Birgit Prinz von 2001 bis 2008 achtfache Fußballerin des Jahres zu werden und wurde bei der Frauenfußball-WM im Jahr 2003 als beste Spielerin des Turniers mit dem goldenen Ball ausgezeichnet. Obendrein ist Birgit Prinz als viermalige Torschützenkönigin in der deutschen Fußball-Bundesliga und Rekordschützin der FIFA Frauen-WM, neben der brasilianischen Nationalspielerin Marta.

 

All diese Erfolge stehen als Zeichen für den unermüdlichen Kampfgeist und die Leidenschaft, welche unter anderem nötig gewesen ist, um die derzeitige Stellung im Frauenfußball besetzen zu können. Der professionelle Frauenfußball wird von den heutigen Generationen fast schon als selbstverständlich betrachtet und lockt immer mehr Fußballanhänger sowie neue junge Talente an.

 

Dieser Gastbeitrag wurde Ihnen zur Verfügung gestellt von Wettbasis – Sportwetten News

 

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