Fellpflegeentzug.

Depressionen gehören schon lange zu einer vorherrschenden Befindlichkeit in unserer Gesell-schaft. Seit einem Jahr nehmen sie massiv zu – Schuld ist die Isolation durch die Kontaktbe-schränkungen. Besonders hart trifft es die Menschen, die in der Einsamkeit Krankheits- und Trauersituationen zu bewältigen haben. Wie kann man ihnen hilfreich begegnen? Killersätze wie „Ruf mich an, wenn Du mich brauchst“ oder „Pass auf Dich auf“ sind ungeeignet und ent-springen der Hilflosigkeit der Person, die doch eigentlich trösten will.

Schmerzlich vermisst wird bei Trauerfeiern oder privaten Treffen der Körperkontakt. Psycho-logen sprechen von „Fellpflegeentzug“. Denn: Berührung ist durch nichts zu ersetzen.

In unserem Freundeskreis ist eine schwere, lebensbedrohende Krankheit ausgebrochen. Wir beraten uns. „Hast Du schon angerufen?“ Wir sind unsicher, wie wir mit der Situation umge-hen sollen. Wir werden auf eine alte Tradition aufmerksam. Nachbarn und Freunde bringen den Schwerkranken, den Trauernden, den Einsamen eine Mahlzeit vorbei. Eine Hühnersuppe. Einen kräftigen Eintopf. Manchmal genügt es, das Essen einfach vor die Tür zu stellen.

Das ist auch eine Berührung. Zwar nicht unmittelbar aber immerhin durch Wärme und Ge-schmack vermittelt. Mehr als Worte auf jeden Fall. Die Botschaft: ich denke an Dich, ich fühle mit Dir und ich will Dir Gutes tun.

Jetzt gibt es in meiner Umgebung mehr als genug Gelegenheit, Mitgefühl und Anteilnahme zu vermitteln. Den Fellpflegeentzug zumindest mittelbar zu überwinden: mit einem Teller Suppe.

Fellpflegeentzug.
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