Es weihnachtet – bevor es hell wird, wird es erstmal dunkel. Mahler meint am 19.12.18

160203_Mahlermeint_bannerIn dieser Woche vor dem Heiligen Abend habe ich als Pastor meiner Kirchengemeinde zwei Todesfälle zu betreuen. Einige Familiendramen zu begleiten. Ich habe mit Diagnosen umzugehen, die wenig hoffnungsvoll erscheinen. Breitscheidplatz und Straßburg. Es scheint so, dass sich, allen Lichterketten zum Trotz, das Dunkle noch mal so richtig austobt. Das war vor 2000 Jahren nicht anders. Die Geburt des Gottessohnes war begleitet von Flucht und Vertreibung, von Obdachlosigkeit und Morddrohung. Gott kommt in diese Welt dorthin, wo es am dunkelsten ist. Nun könnte man pathetisch und kitschig sagen: das ist so, damit das Licht umso heller strahlt. Das ist aber meine Sache nicht. Gestern saß ich am Esszimmertisch einer Familie, deren Ehemann, Vater und Opa ich morgen beerdigen werden. Nach all der Lobhudelei auf das tolle Familienoberhaupt, der für seine Familie bis über seine Kraft gesorgt hat erzählte mir ein Sohn doch noch eine Weihnachtsgeschichte. Die letzten Monate hat er seinen dementen Vater einmal in der Woche gebadet. Und dabei eine Liebesbeziehung zu dem harten Mann entwickelt, der oft streng war und seine Kinder und seine Frau nicht immer gut behandelt hat. Das ist auch meine Geschichte mit meinem Vater. Ich glaube, Gott ist deshalb als hilfloses Wickelkind in diese Welt gekommen, dass er in die Nischen und Brüche unseres Lebens passt. Das ist dann nicht der „holde Knabe in lockigem Haar“ sondern der misshandelte, gequälte, geschundene Mensch. Dort soll es Weihnachten werden in den Brüchen unseres Lebens. Und nicht in den hell erleuchteten Shoppingmalls. Weihnachten ist die Umkehrung der Dreigroschenoper: Die im Dunkeln sieht er doch. Die zu allererst.

Es weihnachtet – bevor es hell wird, wird es erstmal dunkel. Mahler meint am 19.12.18
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