Eine Gesellschaft im Kugelhagel.

Ich gehöre auch zu den Zeitgenossen, die den Sonntagabend mit dem Tatort beschließen. Gleichzeitig beobachte ich, dass sich die aggressive Stimmung in der Gesellschaft deutlich ver-stärkt. Sicher, die Corona-Beschränkungen wirken auch hier wie ein Katalysator. Aber das Thema Gewaltdarstellung, Gewaltverherrlichung, Ballerspiele schon für die Kleinsten – das prägt unsere Gesellschaft mehr und mehr. Und schleichend wird auch bei den Menschen, die Gewalt als Lösung von Problemen grundsätzlich ablehnen, der Konsum von Leichen, Folter und Grausamkeit zur Tagesroutine. Ich merke, dass ich als bekennender Fernseher immer mehr Mühe habe, gute Filme zu finden, die eben nicht das Genre Krimi bedienen. Die öffent-lich-rechtlichen Programme sollten eigentlich die Wächter der Programmvielfalt sein, dafür bezahlen wir schließlich unsere Gebühren. Quote darf dabei nicht die Hauptrolle spielen. Der SWR-Hörfunk bringt am Samstagabend in seinem 2. Programm die geistliche Musik am Sams-tagabend. Diese soll nun zugunsten eines Krimihörspiels abgeschafft werden. Ein Kniefall des kulturellen Auftrags vor der allmächtigen Quote.

Für mich als Medienkonsument stellt sich die kritische Frage, ob ich mir genügend bewusst mache, womit ich meine Seele füttere. Das entscheide ich allein – ein Übermaß an bad news, Gewalt und Mord tut mir sicher nicht gut. Vielleicht muss ich den Krimi am Sonntagabend als Pflichtprogramm killen. Und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk möchte ich ins Stammbuch schreiben, dass er seinen kulturellen Auftrag ernst nehmen und Alternativen zum quotenge-steuerten Einschaltimpuls anbieten muss. Wozu bezahle ich eigentlich die GEZ?

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