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Ein Wunder-barer Fernsehabend. Mahler meint am 11. Januar 2019

160203_Mahlermeint_bannerEndlich hat es sich wieder mal gelohnt, einen Abend auf der Couch vor dem Fernseher zu verbringen. „Il Miracolo“ – ein Wunder eben. Gestern liefen die ersten drei von neun Folgen a 45 Minuten auf Arte. Und wie schreibt die Kritik so treffend: „Il Miracolo ist weder thriller-kitzelnde Urban-Fantasy noch mondäugiger Esoterikkitsch sondern herber, lakonischer Realismus. Eine literweise Blut weinende Madonna im brüchigen Italien der Neuzeit bringt Priester und Regierung ins Wanken und stürzt beide in Ratlosigkeit. Und der kaputte porno- und spielsüchtige Priester Marcello erklärt das dann so: Wunder seien nicht für die Gläubigen da, sondern für die Ungläubigen und jene, die gerade dabei seien, ihren Glauben zu verlieren. Il Miracolo behandelt keine irrationalen Themen, sondern die wirklichen Probleme des modernen Italien, in dem noch nie die Regierung, sondern stets der Marienkult und die Mafia die Menschen dominiert hat. Da kommt auch der rationale Atheist, verkörpert von Premierminister Fabriccio, nicht dran vorbei. Und das ist es, was die Serie so faszinierend macht. „Atheisten langweilen mich, weil sie ständig von Gott reden“ sagte Heinrich Böll einmal. Il Miracolo bedient genau diese letzte Unsicherheit des modernen, aufgeklärten Menschen. Und wenn da doch was dran sein solle an der Übernatürlichkeit? Diese Zweifel, ob die Aufklärung wirklich in der Lage ist, die Unsicherheit des modernen Menschen auszuschalten, werden in dieser Arte-Serie, produziert in Zusammenarbeit mit Sky Italia und Sky France, aufs trefflichste genährt. Kurzum: Dieser Achtteiler von Nicolo Ammaniti ist ein Meisterwerk – und selbst fast schon ein Wunder. Ich freu mich auf den nächsten Donnerstag. Falls sie die ersten drei Folgen verpasst haben sollten – es gibt ja immer noch das digitale Wunder der Mediathek.

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