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Ein Screen in der Dunkelheit: Smartphone-Kamera als Augenersatz

Mit den richtigen Apps und ein bisschen Kreativität erleichtern moderne Smartphones den Alltag immens. Eine Gruppe von Menschen profitiert ganz besonders von der Technologie: Blinde. Das klingt zunächst paradox, wenn man bedenkt, dass die meisten Smartphones standardmäßig per Touchscreen bedient werden, sodass blinde Nutzer nicht wie früher die Position von analogen Tasten erfühlen können. Aber es funktioniert tatsächlich, die im Gerät verbaute Kamera in Kombination mit der Sprachausgabe macht es möglich. Auf diese Weise verhelfen Mobiltelefone – mit den richtigen Apps ausgestattet – Blinden zu mehr Selbstständigkeit, wie dieser inspirierende Fall der Chefin eines Reinigungsunternehmens zeigt.

Vorlesen per Fingerzeig

Smartphone-Kameras haben sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Die Anzahl der Megapixel hat in geradezu bizarren Ausmaßen zugenommen und auch die Software ist deutlich intelligenter geworden. So clever sogar, dass sie blinden Menschen das Sehen fast gänzlich ersetzen. Dennoch schrecken noch viele Betroffene vor der Benutzung eines Mobiltelefons als Hilfsmittel zurück; sie verwenden stattdessen lieber spezialisierte, dafür aber teure Geräte, zum Beispiel für die Feinerkennung von Farbtönen.

Eine Frage steht dabei im Vordergrund: Wie soll man als Blinder einen Touchscreen bedienen? Die Antwort liefern die gängigen Betriebssysteme gleich mit: iOS nennt sie „VoiceOver“, bei Android ist es „Talkback“. Beide Programme sind nicht nur dazu in der Lage, auf dem Bildschirm angezeigten Text laut und deutlich vorzulesen. Sie verfolgen auch die Bewegungen des Zeigefingers und sagen präzise an, auf welchem Buchstaben man sich gerade befindet. So ist auch das Lesen und Beantworten von wichtigen E-Mails und Chatnachrichten nicht mehr unmöglich.

Keine Scheu vor der Technik

Ist die Berührungsangst erst einmal überwunden, kommt das Wunderwerk der Smartphone-Kamera zum Einsatz: Genau wie Text auf dem Screen kann das Gerät auch Schriftstücke in Papierform vorlesen. Dafür muss man einfach das entsprechende Dokument vor die Linse halten und ein Foto davon machen. Die „Optical Character Recognition“ (OCR, zu Deutsch: optische Zeichenerkennung) von Applikationen wie „Prizmo“ oder „Text Detektiv“ ist inzwischen überraschend ausgefeilt. Mit entsprechenden Apps kann die Kamera sogar das Online-Banking übernehmen, indem sie binnen Sekunden relevante Informationen wie IBAN, BIC und Betrag aus Rechnungen herausfiltert und ins Überweisungsformular einträgt. Weitere hilfreiche Funktionen sind die Identifizierung von Banknoten, die Erkennung von Produktpreisen anhand des Strichcodes und die objektive Beschreibung des Aussehens von Gesprächspartnern.

Natürlich kann ein Smartphone noch lange keinen Gehstock oder Blindenhund ersetzen, doch die Vorzüge des kleinen Geräts liegen auf der Hand: Es kombiniert zahlreiche Dienste, von denen viele kostenlos und barrierefrei sind. Welches Modell infrage kommt, hängt im Wesentlichen von den individuellen Bedürfnissen ab. Dieser Artikel kann bei der Entscheidung behilflich sein. Darüber hinaus gibt es für Smartphone-Anfänger bei Einrichtungen wie dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. entsprechende Kurse zum Umgang mit der praktischen Technologie.


Bildrechte: Flickr Close up person using smartphone Japanexperterna.se CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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